Restaurant Mey

img_20190112_1018435920942477237525644.jpg

Restaurant Mey, türkisch, Charlottenburg

Die türkische Küche hat hierzulande völlig zu Unrecht einen fürchterlichen Ruf, kaputt gemacht von Dumpfdödeln, die die türkische Küche nur mit Döner und Lahmacun beziehungsweise dessen eingedeutschten Mutanten verbinden. Der chinesischen Küche geht es da ähnlich. Bei Chinesisch denken Leichtmatrosen immer häufiger an die Glutamatbutze im U-Bahnhof mit Pilsken und Pennerglück im Kühlschrank und den braun-fettigen Chinapfannensud, der seit Stunden im Warmhalter mutiert, anstatt an gutes Essen.
 
Und das ist schade.
 
Es gibt wenige wirklich gute türkische Restaurants in der Stadt, das Mey ist eines davon. Der Service ist perfekt, freundlich, zurückhaltend füllt er das Wasserglas nach, recht fix geht das mit den Vorspeisen, die jede für sich grandios sind und einen Einblick gewähren in das, was die türkische Küche kann. Die Pasten sind jede für sich herausragend und um Welten besser als das, was ein Feinkoststand vor dem Supermarkt so an Pasten auf Tasche hat. Die warmen Vorspeisen stehen dem nicht ein Jota nach. Ich aas (aß? ass? as? ahs? verdammt…) hier den besten Börek meiner kulinarischen Biographie. Wow.
 
Dann die Hauptgerichte. Im Mey-Menu sind vier Sorten Fleisch zu finden, die zum Glück nacheinander serviert werden und zu meiner Freude jedes Grillteller XL-Feeling vermissen lassen. Wir wandern von Köfte im Teigmantel über Huhn über Kalb bis zu Lamm, alles für sich frisch, saftig, perfekt gebraten, jedes Stück für sich ohne Notwendigkeit einer Soße, die so ein gutes Stück Fleisch nur versauen würde, selbst das Huhn bleibt saftig und zart – Königsdisziplin mit Bravour gemeistert.
 
Das Mey-Menu schlägt mit irgendwas um die 22 Euro zu Buche. „Pro Person“ weist die Freundliche vom Service extra nochmal darauf hin, was mich wundert, weil es ja in der Karte steht. Aber dann denke ich an die ganzen Sparschweine und Meckeropa Kowalkes, die so etwas bestimmt mal wieder geflissentlich überlesen und sich bei der Rechnung lauthals über die 44 Euro auf der Rechnung beschweren.
 
Das Dessert, der türkische Tee und der ganz ausgezeichnete Mokka runden mein Bild vom Mey ab. Ein sehr gutes Restaurant.
 
Und der Text könnte hier aufhören.
 
Tut er aber nicht.
 
Er endet mit der Verwunderung, dass ich hier mittags der einzige Gast in diesem schön gestalteten schlauchartigen Raum bin. Und dann fallen mir noch die Kleinigkeiten auf: Der durchgelatschte und sich lösende Bodenbelag auf dem Weg zum Klo, der einen extrem unpassenden Kontrast zum sonst sehr noblen Gastraum setzt und für dessen Erneuerung offenbar kein Geld da ist. Dann die Verabschiedung am Schluss: „Bis bald hoffentlich…“
 
Machen wir uns nichts vor: Der Laden läuft nicht gut. Und das völlig zu unrecht. Schwer zu sagen woran es liegt. Am Essen und am Service kann es nicht liegen und auch nicht am Preis, der für das, was geboten wird, völlig angemessen ist.
 
Und so fürchte ist, dass es doch der ungute Ruf der türkischen Küche ist und die Meckeropa Kowalkes dieser Welt, Nichtswisser und Bild-Leser die Preise für eine normale Mahlzeit im Mey lesen und sich dann weigern, für Dönergedöns so viel hinzulegen, wenn man doch beim Bosporus/Istanbul/Antalya-Imbiss für 2,50 satt wird.
 
Schade. Echt schade. Dieses Lokal müsste brummen. Verdient wär’s allemal.