Yorckschlößchen

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Yorckschlößchen, Kneipe und Musik, Kreuzberg

Im Yorckschlößchen trifft man

– die alten Kreuzberger Frontkämpfer, die zwar mittlerweile mit Kind und Kegel in beschaulichen Berliner Vororten oder gleich in Brandenburg wohnen, aber hin und wieder auf ein Glas Bier und ein wenig Blasmusik in den alten Kiez abtauchen.

– lebende Fossile in Form grauer bzw. meist schlohweißer Jazzliebhaber, die wahrscheinlich ähnlich wie diese beiden Typen aus der Serie „Cheers“ immer auf dem gleich Platz sitzen und auch sonst so aussehen als würden sie sich nur noch mit fremder bzw. Gehhilfe von dort wegbewegen können. Unfassbarerweise tauen diese Fossile beim Live-Jazz mächtig auf, rocken das Haus und – das muss man gesehen haben – bewegen sich zum Takt mit, wobei das Knirschen der Gelenke manchmal von der Musik ablenkt.

– mich, weil beim Yorckschlößchen kommen mehrere Dinge zusammen, die ich besonders gerne habe:

  1. Es ist urgemütlich, die Wände atmen 30 Jahre Kreuzberg pur ohne Eis. Eine Renovierung würde die ganze Atmosphäre auf einen Schlag killen, deswegen tut das Yorckschlößchen gut daran, dieses nicht zu tun, aber da bin ich guter Dinge.
  2. Das Publikum hat Niveau und passt daher ausgezeichnet zur Musik, deren Performer (zumindest immer wenn ich da war) durchweg was auf dem Kasten haben und denen man den Spaß am Spiel voll abnimmt. Ich beziehe mich hierbei vor allem auf Kuchenbeckers Sonntagsbraten; die dort zelebrierte Interaktion zwischen Spielern und Publikum und die große Bandbreite an Stilrichtungen macht auch dem völlig talentfreien Zuhörer Spaß. Besonders toll, wenn irgendwann der 70jährige Greis mit Tenorsaxophon auf die Bühne wackelt und den Greenhorns erst mal zeigt, wo der Hammer hängt. Allein schon dafür lohnen sich die 4 Euro Musikbeitrag.
  3. Die Preise sind auf dem Boden geblieben. Man bekommt einen gepflegten Roten für einen schmalen Taler und das Essen ist wie der Preis bodenständig und solide. Die 4-6 Euro Musikbeitrag sind mit Blick auf die stets hochklassige Performance ein Schnäppchen.
  4. Das Personal lässt was mich betrifft keine Wünsche offen.

So, na denne mal ein Cheers auf die nächsten 30 und dann wackle ich auch mit Gehhilfe hier rein und knirsche mit den Gelenken zum Takt.