Drachentöter

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Drachentöter, Burger, Prenzlauer Berg

Ich frage mich manchmal, was so manchen Unternehmer reitet. Man muss schon verrückt sein, direkt neben dem fürchterlich gehypten und angeblich den „besten Burger Berlins“ produzierenden Bird einen Burgerladen aufzumachen. Das zeugt von Mut. Oder eher von Chuzpe. Geistesgegenwart. Fatalismus. Vielleicht auch nur vom Willen zum ökonomischen Selbstmord.

Vielleicht ist es auch ganz clever: Man hänge sich an einen Wirtskörper in Form eines beliebten Nachbarn ran und greife das Publikum ab, das dort vor lauter Hype keinen Platz mehr bekommt, spielt also quasi Putzfisch für den Platzhirsch.

Das ist nur auf den ersten Blick so, denn der Burger in allen seinen Variationen ist eine Kampfansage an den Nachbarn. Der einnehmende, sympathische, keinesfalls arrogante Service produziert ihn mit perfekt getoastetem Bun, der sich trotz Masse nicht vollsaugt und zerfällt, bemerkenswert frischem Gemüse und einem Fleischklops, der sich vor dem Nachbarn nicht nur nicht verstecken muss, sondern diesen hinter sich lässt. Ich behaupte entgegen der Masse, dass es den besten Burger Berlins nicht nebenan gibt, denn der Drachentöter ist zumindest hinsichtlich der Handhabung, der Optik und des Gesamtauftritts besser, geschmacklich besteht in Sachen Fleisch zumindest Gleichstand.

Bemerkenswert ist, dass selbst der mächtige doppelte „Drachentöter“-Burger trotz seiner ungeheuren Wucht nicht auseinanderfällt und sich im Raum verteilt. Die Profis am Werk tupfen offenbar das Fett ab und übertreiben es nicht mit Sauce. Sehr gut.

Die Pommes zuletzt sind okay, keine Offenbarung wie nebenan, von der Optik eher belgisch-klobig daherkommend und manchmal nicht ganz durch. Naja.

Ich freue mich, dass Mut zum Risko bisweilen belohnt wird und stelle immer häufiger fest, dass der Drachentöter immer mehr Publikum binden kann, was dann auch wieder zeigt, dass Hype nicht alles ist.


Nachtrag: Zugemacht. Offenbar hat das Selbstmordkommando doch sein prognostiziertes Ende gefunden. Schade. Sehr schade.