Feuermelder

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Feuermelder, Kneipe, Friedrichshain

Der Feuermelder ist eine runtergerockte Pinte mit Patina, der Boden klebt, der Service hinter der Theke lebt seine Verachtung für die Kundschaft aus und die Klos stinken übler als in jedem dahergelaufenen besetzten Haus.
 
Dafür sind die Flipper gut.
 
Und die Mucke. Hardcore, Punkrock, laut. Geil, aber zu laut. Ich muss brüllen, um mich zu unterhalten. Hab irgendwann keinen Bock mehr und stehe schweigend am Flipper, nippe am Whisky. Reden wird sowieso überbewertet.
 
Die Preise sind irritierend cocktailbarlike, gar prenzlbergesk. Mit einem Standard-Whisky und einem Rum-Cola bin ich bereits zweistellig. Die Hütte ist trotzdem voll. Bravo, alles richtig gemacht. Nur Punkrock ist das nicht mehr.
 
Ich hab dann irgendwann keinen Bock mehr, hier nur blöd abzuhängen und älter zu werden, der Ort ist einfach zu gottverdammt 90er: Ich stehe eng an eng, links Whisky, rechts Rum-Cola, einer rempelt links, einer rechts, dann einer von hinten, den Rauch in der Luft kann man in kleine Stückchen schneiden und als Rattenköder auslegen oder an die Touristen verkaufen, die das hier für das echte Berlin halten, der Kampf an der Theke um die Gunst der Verachter fängt auch spätestens beim dritten Mal an zu nerven, aber dafür trägt man wieder politisch korrekt Antifa-Shirt, herrje, dass es sowas noch gibt, die Mainzer Straße ist ja nicht ganz so weit weg, da wo sie mit ihren Antifa-Shirts vor über 20 Jahren ihre Schlachten geschlagen haben und wo heute Massagesalons, Latte-Cafes, Boutiquen und Kinderläden eröffnen. Nur der Feuermelder ist übrig geblieben und gibt sich so wie immer, ein Fossil, ein autonomes Museum, das sich teuer aushalten lässt.
 
Ja, mach ich mal, manchmal, das hier, wenn ich mal zufällig da bin und nicht weiß wohin sonst vor lauter Orientierungslosigkeit. Wohlfühlen ist aber auf jeden Fall anderswo. Aber wohlfühlen wird ja auch überbewertet. Wie der Feuermelder.