Aldente

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Aldente, Pizza, Prenzlauer Berg

Am oft vergessenen nördlichen Ende der Schönhauser Allee, weitab von Biodinkelkörnerschlümpfen, Feldenkraisübermüttern und Bubble-Tea-Hackfressen existieren direkt nebeneinander zwei alteingesessene italienische Lokale, die wahrscheinlich kurz nach der Wende aus dem Wedding rübergemacht haben und sich seit Jahren einen ruinösen Preiskampf liefern, deren Ursache sich wahrscheinlich noch auf die Zeit der Reformation oder der Bauernkriege zurückverfolgen lässt, als beide auf den jeweils gegnerischen Seiten kämpften.

Eines davon ist das Aldente.

Meine Güte, wo soll das nur enden? Pizza tagsüber für irgendwas um die 2,50, Pasta für 3,50. Und der daneben zieht immer fleissig nach und unterbietet wieder um 10 Cent. Wie rechnet sich das nur?

Dabei schmeckt das auch noch ganz ordentlich hier, der Service ist freundlich, schnell und ausgesprochen aufmerksam. Die Pasta ist hochanständig, nicht berühmt, aber durchaus gut, vor allem für den Preis, gleiches gilt für die Gnoccis, wenn sie denn mal im Tagesangebot sind.

Die Pizzen sind wagenradgroß mit überraschend gutem Teig und haben nur den gerne gemachten Fehler, dass sie mittig mit zu viel Tomatenmus und Käse beglückt sind und deswegen dort mit dem ehemals festen Teig eine matschige Legierung bilden, die ich nicht überzeugend finde. Für den Preis ist das aber dennoch eine gute Sache und zur Not ordert man sich eben einen Löffel nach.

Der Espresso ist herausragend, was in einem vorgeblich italienischen Lokal nicht anders zu erwarten war, das Panna cotta zum Dessert ist allerdings nur Masochisten zu empfehlen. Es ist fürchterlich sahnig, wenig geschmacklich nuanciert und im Gesamten für Panna cotta eindeutig zu mächtig – fast als würde man sich einen Löffel Creme Fraiche pur reinlöffeln. Nee, so nicht. Schade.

Dennoch: Für den Preis völlig in Ordnung. Ich würde mich jedoch, anstatt die Preisspirale gemeinsam mit dem Konkurrenten immer weiter nach unten zu drehen – was irgendwann zu Lasten der Qualität der Speisen gehen muss -, eher daran versuchen, ein wenig Raffinesse in die Kreationen zu bringen, es ist einfach unkreativ, immer nur mit viel Knoblauch, Sahne und Fett zu arbeiten und zu hoffen, dass billig schon ausreicht.

Ich fürchte das reicht hier eben nicht, vor allem dann nicht, wenn man sich mit dem Nachbar einen Preiskampf liefert, bei dem am Schluss alle Beteiligten verlieren. Amen.