Tapas No. 6

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Tapas No. 6, Tapas, Alt-Treptow 

Selbst in kulinarisch komplett hoffnungslosen Fällen wie Alt-Treptow gibt es tatsächlich in ganz versteckten Ecken so manch Hoffnungsschimmer wie zum Beispiel die Vollkornbäckerei Hartwich, die den Versuch unternimmt, diesem tieftraurigen Stück Eiland zwischen Landwehrkanal, Treptower Park und dem Slum von Ost-Neukölln ein wenig – woanders fast schon selbstverständlich vorausgesetztes – Niveau zu verleihen.

So auch ein winziges, absolut unscheinbares Lokal in der abgelegenen, bald von einer Autobahn massakriert werdenden Beermannstraße, zwischen einem wenig frequentierten weil stinklangweiligen Einkaufstempel und einem fürchterlichen Tex-Mex-Cocktail-Kraut-und-Rüben-Schuppen, der mit grellen blindmachenden Transparenten Marke Bild-Zeitung auf Deppenfang geht.

Wie soll ich nun die beiden Jungs von Tapas No. 6 nennen? Pioniere? Glücksritter? Wahnsinnige? Ich tendiere zu letztem wie bei jedem, der den geradezu irrwitzigen und fast vorsätzlich ruinösen Versuch startet, in Alt-Treptow vernünftiges Essen anzubieten. Das ist wie Johnny Cash im Musikantenstadl, Bruno Ganz bei Cobra 11 oder Brecht in der Bild-Zeitung – edle Perlen vor die ultimativen Säue und mit viel Glück lediglich vergebene Liebesmüh ohne das harte Brot der Privatinsolvenz.

Meine Güte, Freunde, isst man doch in Alt-Treptow ausschließlich fettig, minderwertig und gerne auch mit Händen direkt aus der Bonduelle-Dose, aber doch keine Tapas, schon gar keine guten. Wie zum Henker glaubt ihr nur damit durchzukommen?

Ich hätte da einen Gratis-Tipp: Bietet eure fantastischen Tapas nicht erst ab 18 Uhr sondern als Ergänzung zu eurem ganz herausragenden Mittagstisch an und schafft euch damit eine Fanbase bei dem ganzen Gewerbe und den diversen Behörden hier in der Gegend. Wenn ihr den Laden brummen lassen wollt, dann so.

Glück auf! Von mir alle denkbaren guten Wünsche, ihr Wahnsinnigen.