Angkor Wat

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Angkor Wat, kambodschanisch, Moabit

So, es ist Zeit, mal wieder gut zu essen. Was haben wir hier? Angkor Wat? Kambodschanisch? Was es nicht alles gibt…

Das Restaurant befindet sich in Moabit, Paulstraße. Nun ist man in Berlin ja relativ verwöhnt in Sachen Öffentlicher Personennahverkehr. Wenn die S-Bahn nicht gerade ihren Fuhrpark verrotten lässt oder die BVG streikt, ist die Stadt ausgesprochen gut verkehrstechnisch aufgestellt, sprich: Man kommt eigentlich mit S-, U- und Bimmelbahn überall hin. Ein Auto innerhalb des S-Bahn-Rings ist, wenn man die Stadt selten verlässt und die Kiste nicht beruflich braucht, überflüssig.
Und so war es konsternierend, einen Blick auf die Anfahrt für das Angkor Wat zu werfen, denn es befindet sich im öffentlichen Personenbermudadreieck zwischen U-Bahnhof Turmstraße, dem S-Bahnhof Bellevue und dem Hauptbahnhof, von jedem der drei Ecken ca. 15 – 20 Minuten Fußmarsch entfernt.
Irre, ist man in Berlin gar nicht mehr gewöhnt sowas, verfügt doch hier gefühlt jeder Ort über einen Gleisanschluss über den man ihn innerhalb von 5 Minuten nach Ausstieg erreichen kann, das heißt bis auf das rückständige und hoffnungslos altmodische Westberlin, das ja sein Straßenbahnnetz in unweiser Voraussicht in den 60ern stillgelegt hat, ist man auf die in Berlin fahrweisen- und straßenzustandsbedingt notorisch übelkeithervorrufenden Busse gar nicht mehr angewiesen.

Nun ist das Angkor Wat dummerweise in Westberlin, aber gut, egal, 20 Minuten Fußmarsch vom U-Bahnhof Turmstraße bedeuten eine Vorspeise mehr.

Diese, in meinem Fall Reispapierrollen mit Hühnchen, Minze, Garnelen et cetera, die mit drei Sorten Dips daherkommen und den Glasnudelsalat, kann man guten Gewissens als ausgezeichnet beschreiben und machen ohne Einschränkung Lust auf mehr.

Die Hauptspeise, das kambodschanische Fondue – offenbar die Spezialität des Hauses – für zwei Personen macht beide ordentlich satt und ist darüber hinaus sehr frisch und bekömmlich. Mit der Zeit bildet sich eine wohlschmeckende Suppe, die sich empfiehlt ausgetrunken zu werden und ich vermute das ist genau so gewollt.

Geschmacklich war das jetzt nichts völlig neues, aber das habe ich auch nicht erwartet. Wer öfter mal asiatisch isst (und damit meine ich nicht die sich wie Schimmel im Keller verbreitenden fürchterlichen Glutamat-Tempel in den schummrigen Ecken der Bahnhöfe), der weiß wo die Reise hingeht. Das macht aber nichts. Es müssen ja nicht immer Hühnerfüße und Schweinsohren sein.

Ein unauffälliger dennoch aufmerksamer und nicht zuletzt charmanter Service sorgt dafür, dass man sich sehr gut aufgehoben und willkommen fühlt. Und das liegt nicht nur am Pflaumenlikör zur Begrüßung und am warmen Sake zu der Rechnung, sondern unter anderem auch daran, dass man hier begriffen hat, dass ein guter Espresso ein gutes Essen stilvoll abrundet und ein mieser Espresso ebenjenes Essen ruiniert.

Ja, danke, hervorragend, hier stimmt alles.

Und vielleicht fährt ja irgendwann auch eine Straßenbahn durch die Moabiter Paulstraße.