Al Hamra

Al Hamra, arabisch, Prenzlauer Berg

Al Hamra – meine arabischen Freunde, zumindest fühl ich mich so, wenn ich dort bin. Seit Ewigkeiten (sind es 10, sind es 15 Jahre?) gibt es sie in Prenzlauer Berg, was an einem Ort, an dem sich monatlich Designerläden, Biocafes und Windelwechselnamenstanzgruppen die abgegriffene Klinke in die Hand geben, an sich schon eine Leistung ist.

Hier schmeckt alles noch mal eine Klasse besser als woanders: Das Schawarma, der Haloumi, die gefüllten Weinblätter, die frittierten Blumenkohle (kohle? kohls? kohlse? WTF?) und vor allem diese kleinen perversen scharfen Lamm-Knoblauch-Sucuk-Würstchen.

Mein Freund hinter der Theke, der mir gerne mal ein paar Teile extra auf den Teller haut, lässt es sich nicht anmerken, ob es ihn ärgert, dass einer der ortsansässigen Schnorrer, einer, der mit seiner Jack Wolfskin-Jacke und seinen Camel-Boots nicht so aussieht als müsste er das tun was er gleich tut, reinkommt, sich ein Glas Tee aus der Teeecke (Tecke? Teecke? Teeeeeecke? WTF?) einschenkt, aussäuft, rülpst, dämlich lacht und mit den Worten „Musste mich mal kurz innerlich aufwärmen“ wieder geht. Der Tee, der da in der Ecke steht, ist für jeden da – für gute Freunde, Passanten und offenbar auch für Arschlöcher. Gastfreundschaft – auch für Sozialnieten wie den da. Es beeindruckt mich immer wieder.

Wir vor und hinter der Theke lächeln uns kurz an, ohne Worte wissend, dass es diesen Schlag Menschen immer geben wird, es somit keinen Sinn macht, sich über sie aufzuregen, sie vollzupöbeln oder von mir aus auch zusammenzuschlagen, sie waren da, sie sind da, sie werden immer da sein und es gibt sie überall, jene, die nicht mal ihre verwanzte Töle vermissen würde, wenn sie heute noch vor eine Straßenbahn laufen, jene, die als sozialer Amokläufer durch die Stadt wabern, um anderen das Karma zu versauen, jene eben, die in ein Lokal gehen, trinken, rülpsen und ohne einen Dank wieder gehen und dabei nicht merken wie überflüssig sie hier und überall sonst sind.

So.

Warum regen wir uns heute also nicht auf? Nenn es Zen-Buddismus, nenn es mediterrane Gelassenheit oder einfach Älterwerden, ich nehm mir auch einen Tee, denke darüber nach, ob mir der Typ am Arsch vorbei geht, während ich mich so wie die letzten 10-15-20-5000 Jahre, die es dieses freundliche Lokal schon gibt, einmal quer durch die günstige und gute arabische Küche fresse und mich jedesmal freue, dass es immer noch da ist und hoffentlich noch da sein wird, wenn alle Arschlöcher des Bezirks schon längst den Käfern und Würmern des märkischen Sands als Amuse Gueule dienen.

Sorry, das hab ich jetzt gebraucht.

Ja, das Al Hamra, wo ich mich schon immer gefühlt habe wie zuhause oder wie bei guten Freunden. Denn da kommt auch hin und wieder mal ein Arschloch zur Tür rein (oder die GEZ, die Zeugen Jehovas oder der Mülltrennungszettelnazi von nebenan stehen vor der Tür und versuchen es). Ist eben so. Nur dass die bei mir zuhause keinen Tee bekommen sondern maximal eine mit frischem Dünnen gefüllte Babywindel, wenn ich gerade eine greifbar habe. Sonst tut es auch die alte Laufsocke mit Ammoniak-Patina vom letzten Volkslauf, die hierfür immer neben der Tür liegt. Verjagt nicht nur Vampire und die GEZ sehr zuverlässig, sondern auch den Mülltrennungszettelnazi, Aboverkäufer und Angela Merkel (sollte die mal vor der Tür stehen).

Genug geseiert, Hombre, tipp lieber mal was in dein iPhone.

Soll ich?

Ja, mach!

*Al Hamra isse checka checka korreeeeeggt! ^^ :))))) rofl rofl mao :-P= totaahl juuuuut!!!!!!11*

Ganz toll.

Nur eins, es ist eine Kleinigkeit, aber doch muss ich … sagt mal, Freunde, war das Khubz … war es nicht früher ganz frisch gebacken, noch warm beim Servieren und nicht aus dem fiesen Fertig-Plastikbeutel wie heuer fast überall? Ich meine doch … oder täusch ich mich? Wollt ihr das nicht (wieder) machen? So ganz frisch dampfend?

Würd mich freuen. Bis bald mal wieder.