Schlecker

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Schlecker, Drogeriekette

Soso, Schlecker! Du willst dir also eine Imagekampagne verpassen, weil du plötzlich rote Zahlen schreibst. Aber bitte nicht doch, das ist doch rausgeschmissenes Geld. Irgendwas um die 30 Jahre warst du nun der Bad Guy der Drogerieszene, der böse Onkel des Arbeitgeberlagers und die ultimativ hässliche Aushänge-Fratze des Kapitalismus. Jeder weiß das, selbst Babys saugen das mit der Muttermilch auf bevor sie sprechen können. Schlecker ist böse. Jeder weiß das.

Und jetzt langsam, aber natürlich erst seit es dir wehtut, dämmert es dir, dass auch andere Ketten kleine Preise haben, aber ihre Mitarbeiter anständig behandeln, was jeder Kunde der über ein normal entwickeltes Gewissen verfügt, gut findet und lieber dort kauft. Was waren da nicht alles für Sauereien in den Medien in den letzten Jahrzehnten über dich zu hören, ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll: Prekäre Löhne, Ketten-Zeitverträge, Bespitzelung, Gängelung, alles Folterwerkzeuge aus der Manchester-Mottenkiste des vorletzten Jahrhunderts gekoppelt mit den neumodischen Segnungen der Agenda 2010.

So, und jetzt will irgendwie keiner mehr bei dir kaufen, weil einen sonst tagelang das traurige Gesicht der geknechteten Schlecker-Mitarbeiterin verfolgt, die mit dem Mut der Umsatzsteigerungsverzweiflung an der Kasse alle möglichen Schnäppchen feilbietet, die man nie braucht, aber ihr manchmal aus reinem Mitleid abkaufen möchte.

Jetzt also eine Imagekampagne mit dem sinnfreien Titel „For You. Vor Ort“ was mich ungefähr so nachhaltig begeistert wie „Berlin lies in Deutschland“ oder „The night is dunkel“. Mit sowas willst du also, Schlecker, dein Gangsterimage loswerden und künftig als Saubermann der Branche dastehen.

Ich kann mir nicht helfen, das hat für mich ungefähr die Qualität als wenn die ganzen Nazis aus den ausgestorbenen Brandenburger Provinzkäffern plötzlich geschlossen zum Islam konvertieren oder die gierigen Banker, die mein Steuergeld verbrennen, plötzlich ihr Herz für sozial Schwache entdecken und das ganze in ihren Gierschlund geworfene Geld statt in ihre Villen in Schulen, Kindergärten und Armenspeisung stecken. Hahahahaha, absurd nicht? Siehste, das glaubt doch kein Mensch! Wo lebst du Schlecker? Du kannst noch so viele Millionen Euro in tausende von Zeitungsanzeigen und Werbespots pumpen, ich bin nachtragender als eine verschmähte Frau, ich kaufe mein ganzes Leben nie wieder bei dir und ich kann mir auch niemanden vorstellen, der das jetzt plötzlich wieder tut, dafür hast du einfach zu viele Schicksale deiner traurigen prekären Beschäftigten auf dem Gewissen.

Und wenn du der letzte Drogeriehändler der Welt wärst, dann würde ich mir lieber meine Seife aus den getrockneten Vogelexkrementen der umliegenden Motorhauben selber herstellen, mein Shampoo aus Baumharz, Brennnesselessenz und Eigenurin zusammenmixen, statt Haargel wieder Zuckerwasser nehmen und meine Zähne mit Salpetersäure putzen als bei dir jemals wieder auch nur irgendetwas für einen lumpigen Cent zu kaufen. Ich freunde mich ja auch dann nicht mit dem Büroassi an, wenn der urplötzlich treuherzig verspricht, nie mehr zu intrigieren.

Nee. Nix läuft. Einmal Schlecker – immer Schlecker, Buddy. Da hilft nix mehr und ich finde das gut. Vielleicht stehst du ja bald in den Geschichtsbüchern als untergegangenes abschreckendes Beispiel. Das für meinen Teil fände ich noch besser.