Berliner Hauptbahnhof

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Berliner Hauptbahnhof, Mitte

Nun ist es ja so, dass man den Hauptbahnhof gar nicht gut finden darf. In Auftrag gegeben von einem größenwahnsinnigen Börsengang-Fanatiker, der die Berliner S-Bahn auf dem Gewissen hat, an der Wartung und an der Infrastruktur spart und die Tickets immer teurer werden lässt, sitzt der Hauptbahnhof nun völlig deplatziert im Niemandsland des ehemaligen Grenzgebiets herum.
 
Wo niemand ist.
 
Ja, da ist niemand. Keine City, kein dichtes Wohngebiet, nicht mal ein Verkehrsknotenpunkt, die Nord-Süd-S-Bahn und die U-Bahn fahren kilometerweit vorbei. Keine Ahnung, was da mal zu Mauerzeiten war außer der Mauer? Brache? Bombenabwurfgebiet? Maulwurfwunderland? Ich weiß es nicht mehr.
 
Das alles versucht man jetzt nachzuholen. Um den Hauptbahnhof herum wuchern nun die üblichen entsetzlich seelenlosen Beton-Glas-Bunker aus dem Berliner Sand, deren Exposés jetzt schon so menschenfeindlich aussehen, dass ich dafür bete, nie dort arbeiten zu müssen.
 
Und irgendwann im Jahr 2056 wird es dann auch einen Nord-Süd-S-Bahn- und einen richtigen U-Bahnanschluss geben, natürlich zu den dreifachen als den kalkulierten Kosten, aber egal. Wir sind ja schließlich in Berlin und das sind nur Steuergelder. Und die zahlen in Berlin ja schließlich nur die Bayern und die Schwaben, wen juckt das denn?
 
Ich find den trotzdem ganz gelungen, den Glaskasten, wenn man nur die Treppen und nicht die völlig misslungenen Aufzüge benutzt, mit denen man nie pünktlich seinen Zug erreicht. Als Proletarier des Herzens freue ich mich besonders über das aus Kostengründen verkürzte Dach der oberen Ebene, das dafür sorgt, dass die Bourgeoisie der ersten Klasse des ICE nun bei Aussteigen naß wird, wenn es regnet. Haha, geil, super, Hartmut, das sind die Freuden des kleinen Mannes, du alter Punkrocker. Ich danke dir dafür.
 
Nein, der Hauptbahnhof ist schon gut so wie er ist, er ist für eine postmoderne Glaskapelle gar nicht mal so unästethisch und wenn ab und zu mal bei Sturm wegen Baumängeln irgendwelche Bauteile von der Fassade abfliegen, dann passt er wieder so herrlich wie Arsch auf Eimer zu dieser völlig bekloppten, aber sich für den Nabel der Welt haltenden Stadt der Großmäuler, in der von Rolltreppen über Aufzüge über Winterdienst über S-Bahn über die öffentliche Verwaltung über Flughafen bis zum Regierenden Partymeister an der Spitze nichts so richtig funktioniert wie es soll, die aber dafür immer so lustig ist, dass es die ganze Republik amüsiert.
 
Haha, echt, ich find den gut, den Punkrocker unter den Bahnhöfen, genau wie Wowi, den Ober-Punkrocker aus dem Senat, der mehr Scheißegalstimmung in der Stadt verbreitet als die Punker vom Brunnen des Grauens am Alexanderplatz.