Galeries Lafayette

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Galeries Lafayette, Warenhaus, Mitte

Den besten Käse der Stadt gibt es an einem Ort, an dem ich nicht gerne bin: In der Friedrichstraße nämlich, wo die ganz Wichtigen der im Regierungsviertel ganz tief im Hintern der Politiker steckenden Journalisten mit den goldbehangenen Edelfrauen Zehlendorfer Zahnärzte und den nie den Hals vollbekommenden Bankstern die Zeit totschlagen und das tun, was sie am Besten können: Wichtig sein und Geld ausgeben.

Wenn ich einmal mal da bin (selten genug), sehe ich einen blankgeleckten Ort, an dem immer zuerst die (wenigen) Silvesterböller weggefegt und immer zuerst die Straßen vom Schnee geräumt werden und von dem man kurz vor der Jahrtausendwende völlig zu Recht das Haus der Demokratie aus Wendezeiten vertrieben hat – weil es einfach nicht (mehr) an diesen Ort gehört, nicht mal als Korrektiv.

Ich sehe Reiche, Schöne, Nicht-Ganz-So-Schöne, Hässlich-Schöne, vor allem aber Wichtige, Hektiker, Drängler, Ellenbogenausfahrer und Touristen aus Castrop-Rauxel, Braunschweig oder Erkenschwick, die das alles bestaunen und sich freuen, wenn ihnen Peter Hahne oder Uli Deppendorf mit einem Bagel in der Hand und Senf im Mundwinkel begegnet.

Und einen Pelzträger sehe ich. Wohl vom Ku’damm verirrt.

Lassen Sie mich durch, ich bin Lidl-Kunde, rufe ich, vergeblich hoffend so das Menschenmeer zu teilen wie weiland Moses die See, und kämpfe mich durch das Gewusel zur Galeries Lafayette – zum Ort mit dem meisten Stil mitten in dieser Edelkonsumhölle Friedrichstraße.

Wenn ich es geschafft habe, die im Erdgeschoß schuhekaufenden oder sich vor den vielen Spiegeln anmalenden Trauben gelangweilter Frauen mit zu viel Tagesfreizeit hinter mir zu lassen und eine Ebene runter in die Lebensmitteletage fahren kann, darf ich mich über Käse freuen, wegen dem ich an diesen Ort fahre, an dem ich nicht gerne bin: Französischer Käse von Feinsten, vom Reinsten, vom Besten der Rohmilch, in jeder Form, in hart, in weich, in Mousse, her damit, was? 43 Euro? Sicher, gerne, egal, hier die EC-Karte, es ist sogar noch was drauf auf dem Konto, extra aufgehoben für die wenigen Male im Jahr, in denen ich mir die Produkte dieser freundlichen und kompetenten Käsefachfrau hinter der sehr gelungenen und hervorragend aufgestellten Käsetheke gönnen darf.

Denn viel zu schnell ist es dann wieder der Lidl-Weichkäse (wenigstens aus der Normandie) für 2,19 €, der nicht schlecht ist und überhaupt nichts dafür kann, dass mich die Käsetheke der Galeries Lafayette für immer verwöhnt und versaut hat.