McDonalds Schönhauser Allee

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McDonalds, Schönhauser Allee

Die Restauration zu den zwei goldenen Bögen, im Volksmund abschätzig „Mäckes“ und in HipHop-Kreisen Micky D. genannt, ist in der Schönhauser Allee mittlerweile eine alteingesessene Institution, was wiederum einiges über die Ladenumschlagsgeschwindigkeit und das durchschnittliche kulinarische Niveau auf dieser geschichtsträchtigen Verkehrsachse aussagt.

Die Inneneinrichtung des Traditionshauses hat sich im Laufe der Zeit mehrmals grundlegend gewandelt. Früher bevorzugte man hier noch schrill-gelbe und rote Warnfarben, die eine bemerkenswerte plastikgewordene Analogie zur gleichartigen Werbung darstellten – zusätzlich verunzierte man das ganze blindmachende Ensemble gerne mal konsequent geschmacksresistent mit Devotionalien des damals noch benachbarten Berliner Basketballteams, ein astreines visuelles Inferno, das offenbar einen Aufenthalt an diesem Ort des optischen Grauens zu kurz wie möglich halten sollte, damit der Gast nach dem Verzehr im Idealfall möglichst schnell Platz für Nachrückende schafft.

Dies scheint auch notwendig, denn aufgrund der prominenten Lage mit einer traumhaften Topquote in Sachen Laufkundschaft auf dem Trottoir – der Volksmund würde Gedrängel sagen – ist dieser Ort außergewöhnlich stark frequentiert, so dass oft kein Sitzplatz zur Verfügung steht und die Wahl darin besteht, die Bestellung an der Auslage bei den Servietten und Strohhalmen oder bei den bettelnden Punkern auf dem Boden vor dem Eingang einzunehmen. Ersteres ist mit einer regelmäßigen Unterbrechung des Verzehrvorgang im Zehnsekundentakt verbunden, um anderen Gästen den Zugang zu den unter dem Tablett befindlichen Speiseutensilien zu ermöglichen, zweiteres könnte die alteingesessenen Punks in ihrer Erwerbstätigkeit stören.

Durch die Einführung des McCafes im Eingangsbereich hat sich die prekäre Sitzplatzsituation nochmals verschärft, wobei nicht verhehlt werden kann, dass durch die dadurch entstehende Kaffeehausatmosphäre kombiniert mit einer beruhigenden braun-beigen Farbgebung im Raum eine gewisse Tiefenentspanntheit beim einstmals bemerkenswert hyperaktiven Publikum festzustellen ist. Diese neue Gemütlichkeit verschärft allerdings massiv das Platzproblem aufgrund der nun hier ansässigen familiären Dauercamper sowie die am Laptop stundenlang World of Warcraft spielenden und dabei wichtig aussehenden Kreativen mit Tagesfreizeit, die immer dann hier sitzen, wenn der Balzac ein paar Meter weiter mit ihresgleichen schon ausgebucht ist.

Die Getränkeversorgung an diesem Ort ist stark optimierungswürdig. Alle angebotenen geschmacklich relevanten Getränke werden in Konzentratform mit Wasser versetzt, was den Eigengeschmack aufgrund der eigenwilligen aber sicherlich kostendämpfenden Mischung deutlich reduziert, andererseits durch die gleichzeitige Reduzierung des prozentualen Zuckeranteils in diesem gefärbten Wasser einen gesundheitlichen Positivaspekt nach sich zieht. Immerhin.

Das Bonaqua-Wasser ist geschmacklich in Ordnung, wenn man keinen Wert darauf legt, dass es sich um ein schnödes Tafelwasser und nicht um natürliches Mineralwasser handelt. Dafür kostet es mehr als ein Mineralwasser, was wiederum gut für das eigene Statusdenken ist. Immerhin.

Die Cheeseburger stellen einen merkwürdigen optischen Kontrast zum – wahrscheinlich aus gutem Grund nur noch randständig in der Menüauflistung – angebrachten Schaubild dar. In der Regel wird dieser Cheeseburger mit einer merkwürdigen Delle, wie von einem Daumen verursacht, serviert, wobei sich auf der rissigen Oberfläche ein seltsam glasiger Film einfindet, der allerdings mit einer Serviette entfernt werden kann, aber zur Entkräftung des auf den ersten Blick leicht schwitzigen und unangenehmen Gesamteindrucks nichts beiträgt.

Gerne nimmt der während der Zubereitung ausgelaufene Käse bereits wieder einen festen Aggregatzustand an und erinnert in seiner äußerlichen Erscheinung – auch hier wurde der Volksmund eher von einem unförmigen Klumpen sprechen – an die Gestalt abstrakter Kunstwerke im öffentlichen Raum, vor allem wenn dies mit einer knautschigen – an einen Auffahrunfall erinnernden – Gesamterscheinung kombiniert wird.

Der Geschmack dieses Cheeseburgers hingegen ist schlicht nuancenlos fettlastig – Zwiebeln, Ketchup, Bratling, Gurke und Käse hinterlassen kaum bis keinen eigenständigen Eindruck – das Ergebnis enttäuscht somit auf ganzer Linie und ist nur dazu tauglich, um wissenschaftlich zu verifizieren, ob so ein Cheeseburger tatsächlich über Monate keinen Schimmel ansetzt, wie dies immer mal wieder in Medien bzw. Internet kolportiert wird. Wäre es so, wäre es interessant zu wissen, warum sich kein Pilz, Bakterium oder Schädling dieses Machwerks je annimmt bzw. was sie davon abhält. Interessant wäre es darüber hinaus zu wissen, ab welcher Menge verzehrter Cheeseburger im Laufe eines Lebens eine Einbalsamierung nach dem Tode überflüssig wird und ob die alten Ägypter diese Methode schon kannten.

Hier ist noch viel Raum für Feldforschung und künftige Nobelpreise.

Der Big Mac seinerseits weist zumeist ebensolche handwerklichen Fehler wie oben beschrieben auf. Gerne pisaturmschief in der Gestalt und ebenfalls nur mit viel Fantasie dem leuchtendem Schaubild zuzuordnen – oft mit abgefallenem Deckel in einem Eisbergsalathaufen badend – liegen die Schmelzkäsescheibchen wie schon beim Cheeseburger oft nur hälftig auf, was entweder Käse im kalten Ursprungszustand oder moderne Kunst im Pappkarton zur Folge hat. Darüber hinaus findet oft eine Symbiose zwischen Unterseite und Pappschachtel unter seitlicher Einflussnahme von geschmolzenem Käse statt, welche hernach nur schwer und unter groben Materialverlusten zu trennen sind, was meist einen Zusammenbruch der ganzen Skulptur nach sich zieht.

Geschmacklich kann man den Big Mac hingegen nur als fade beschreiben, ob das früher mal anders war oder ob hier nur sentimentale Wahrnehmung des Betrachters aus Zeiten von Kindergeburtstagen mit Onkel Ronald trügt, möge an dieser Stelle offen bleiben.

Der Hamburger Royal spielt in jeder Hinsicht den großen Bruder des Cheeseburgers und wird ebenfalls häufig mit dieser seltsamen Delle in der Fontanelle serviert, die hier allerdings gerne auch mal den Blick auf das schwammgleiche Innere des Deckels freilegt. Auch hier befindet sich wieder dieser seltsame fettgleiche Film obenauf, der schon beim Cheeseburger unfreundlich ins Auge fällt. Im Gesamten ist auch hier wieder ein irritierender Kontrast zum Abbild bis fast zur Karikatur festzustellen.

Aufgrund der Auflockerung durch die Tomate kommt der Royal TS geschmacklich nicht ganz so brackig daher, kann aber ebenso nicht überzeugen, da der Hauptbestandteil – Mayonaise – zu dominant hervorsticht und jeden anderen Einfluss übertönt.

Die Pommes können hingegen positiv zu Buche zu schlagen. Sie sind knackig, goldgelb und angenehm im Geschmack, wenngleich sie auch nicht ganz die Klasse des verfeindeten Königs erreichen.

Zum Personal kann zuletzt nur schwer eine belastbare Einschätzung abgegeben werden, da es offenbar einer so großen Fluktuation unterliegt, dass man nur selten ein Gesicht zweimal zu sehen die Freude hat. Zumeist herrscht eine hektische Betriebsamkeit der unangenehmen Art, die nur mühsam mit der angeordneten Freundlichkeit überspielt werden kann. Der starke Publikumsandrang hat dabei offenbar manchesmal suboptimale Auswirkungen auf die stabile Gemütlage des Personals, was nachvollziehbar ist, wenn man registriert, dass auch bei großem Andrang nie alle Kassen geöffnet sind. Wer das böse Wort von „Personal verheizen“ bemühen möchte möge dies hier tun.

In der Gesamtsicht der Dinge ist es bedauerlich, dass der konkurrierende König aus mir unbegreiflichen Gründen in der ersten Hälfte des letzten Jahrzehnts ein paar Meter nördlich aufgegeben hat – hat er ein aus meiner Sicht geschmacklich deutlich besseren Angebot zu bieten.

Begrüßenswert ist hingegen die flächendeckende Ausbreitung kleingewerblicher Burgerlokale in Berlin und vor allem in Prenzlauer Berg, die meines Erachtens trotz mancher Mängel eine erfreuliche Konkurrenz für die Restauration zu den zwei goldenen Bögen darstellen, welches sie geschmacklich, qualitativ und handwerklich in der Regel souverän überflügeln.