FlämingAir

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FlämingAir, Flugevents, Landkreis Teltow-Fläming

Der Landkreis Teltow-Fläming ist so ziemlich der erfolgreichste Vorzeigelandkreis in Brandenburg. Man hat es geschafft, die lokale Wirtschaft mit der Ausrichtung auf Eventtourismus im Landesvergleich ordentlich anzukurbeln und macht quasi aus Nichts sehr viel. Hut ab.

In Zellendorf gibt es einen kleinen Flugplatz, auf dem FlämingAir neben dem professionellen Fliegen für Leute mit eigenem Flieger Erlebnisflüge für Touristen mit einem Segel- oder Propellerflieger anbietet.

Besonders toll sind Gutscheine von FlämingAir, wenn man sie Menschen schenkt, die sich auch nach 300 Linienflügen nie wirklich wohl in der Luft fühlen, die immer so ein Bauchgrummeln haben, so ein unkurierbares schlechtes Gefühl, dass Fliegen für einen Menschen unnatürlich ist und wer sich dauernd in Gefahr begibt, darin irgendwann umkommen wird, so wie sich dem Fallschirmspringer irgendwann beim fünfhundertsten Mal Springen der Fallschirm verknoten und dem Bungeejumper das Seil reißen wird, Menschen mithin, denen sich der Magen umdreht, wenn ihnen hoch oben klar wird, dass sich zwischen dem eigenen im kosmischen Maßstab winzigen sinnlosen Körper und dem Acker da unten ein Stück Blech und danach 1200 Meter pure Luft befinden, Menschen, denen fast das Herz stehenbleibt, wenn der grundsympathische Pilot, dieser rote Baron, lachend den Propeller ausmacht und dann da oben in der Höhe absolute Grabesstille herrscht, abgesehen vom märkischen Wind, der durch das Seitenfenster pfeift, und man das surreale Gefühl hat, dass man in der Luft reglos steht, bevor der coole Pilot, dieser Hasardeur, einem plötzlich das Steuer (= ein paar komische abgegriffene Eisenstangen, die irgendwo vorne rausragen) in die zittrigen Hände drückt, wonach sich das Flugzeug sofort zur Seite legt und nach rechts durch das Fenster einen senkrechten Blick freigibt auf brandenburger Rapsfelder, winzige Traktoren, Straßen, Häuser und Bäume, die aus dieser Höhe wie Miniaturspielzeug wirken, Menschen also, die sich mit der trockenen Zunge notdürftig die Kehle verkorken, wenn der immer freundliche Pilot, dieser Teufelskerl, danach eine Schraube nach unten fliegt, sich dabei freut wie ein Honigkuchenpferd, bevor er den Flieger nochmal kurz runtersacken lässt und wieder hochzieht, Menschen zuletzt, die beim Landeanflug kurz vor dem Aufsetzen mitten in einem Luftloch bei Seitenwind zu einem spontan erfundenen Gott beten, dass sie nicht jetzt schon abtreten müssen.

Mir zum Beispiel.

Mir schenkt man sowas.

Ausgerechnet.

Aber es war cool, so wie alles im Nachhinein cool ist, was man überlebt hat: Mutproben, eskalierende Parties, Ausnüchterungszellen, Hausbesetzungen, Rucksacktouren durch Polizeistaaten, Drogen jeder Art und anstrengende Frauen ohne Namen, aus deren Schlafzimmer man sich morgens um vier rausschleicht.

Und eben Segelfliegen.

Cool, cool, dreimal cool: Der Pilot, dieser Himmelhund, die Organisation seitens der netten Dame im Tower, der Segelflieger, von dem man zunächst hofft und später weiß, dass er gut vernietet ist. Alles cool. Teltow-Fläming, cool. FlämingAir, cool. Ich, jetzt auch wieder cool.