Eiszeit Kino

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Eiszeit, Kino, Kreuzberg

Für diese vielen kleinen Off-Kinos muss man Berlin lieben. Hartnäckig wird die Stadt zugeballert mit glitzernden Multiplexen aller Art, in denen der alcopopsaufende Prekariatspöbel labernd, schlürfend, sitztretend und fettige Nachopappe in sich reinstopfend den Kinosaal mit seiner Anwesenheit verunstaltet, von der Seite beleuchtet von iPhone-Schwachmaten, die auch während eines Blockbusters in 3D die Wichsgriffel nicht von der Tastatur lassen können.

Kinos wie das Eiszeit sind hingegen für Erwachsene mittlerer Art und Güte, die nicht unbedingt überall ihre Schuhe ausziehen und ihre bestrumpften Käsemauken auf denjenigen Lehnen vor ihnen platzieren müssen, an denen dann später Unbedarfte unwissend ihr Haupt betten, niemand lässt es gottgleich Popcorn und Cola auf die umliegenden Sitze regnen und niemand kommentiert den laufenden Film durchgehend ungefragt mit nichtssagenden Allgemeinplätzen als wäre er auf einer dahergelaufenen Bewertungsplattform im Internet.

Nur Film kucken.

Eine Nummer kleiner.

Familiär.

Ohne Bling Bling.

Dafür gerne mal mit Filmen, die keiner kennt wie dem kambodschanischen Gewinner der goldenen Reisschüssel der Filmhochschule Phnom Penh, dem Spätwerk einer japanischen Langzeitstudentin im Form mehrerer asynchron übereinander installierter Kurzfilme auf Super 8 über Shoko Asaharis usbekischen Cousin seinen Hund oder der mehrfach im Frauenreferat des AStAs der Universität Göttingen begeistert beklatschten Charakterstudie einer südkolumbianischen Büroangestellten, die in Honduras ein schlecht bezahltes Praktikum bei der Banco Central macht.

Hinreißend.

Es bleibt dabei: Dafür muss man Berlin lieben.