Subway Alt-Treptow

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Der Subway-Ableger in Alt-Treptow freut sich sicher ein zweites Loch in den Hintern, dass es ihm nicht so ergeht wie seinem Kreuzberger Stullenkumpel ein paar Meter weiter, diesem bösen, das ganze schöne Kreuzberg gentrifizierenden Imperialisten, an dessen Ladenlokal die dort ansässigen Inquisitoren stellvertretend ihre angestaute Wut über die seit Jahrzehnten ausbleibende Revolution auslassen.
Bald ist wieder 1. Mai in X-Berg – ich empfehle verschweißte Stahlplatten, Buddy, sonst kannste nicht nur wieder mal den Glaser kommen lassen, sondern gleich Tischler und Innenarchitekt.

Alt-Treptow dagegen ist ja wie allseits bekannt in jeder Beziehung wie immer mausescheintot und dem dortigen Subway wird daher nur ein Bruchteil der Aufmerksamkeit seines kreuzberger Pendants zuteil, ein sozio-strukturelles Problem, das er mit nahezu allen Händlern und Gastronomen in Treptow teilt.

Nun, ich hätte mich ja an seiner Stelle auch nicht im UFA-Palast eingemietet, ist hier doch quasi der tote Winkel des scheintoten Alt-Treptow, töter als tot geht ja normalerweise nicht – hier allerdings schon, doppelt tot sozusagen, selbst McDonalds, das klugerweise ein paar Meter weiter im Park Center seine Zelte aufgeschlagen hat, würde hier kein Land sehen. So kämpfen hier in diesem chronisch defizitären Kino seit Jahren eine armselige Focacceria , ein fürchterlicher Bäcker und ein Kosmetik-Wellness-Friseur-Gemischtwarenladen ums nackte Überleben.

So rattert der Subway denn stoisch nach Lehrbuch alle denkbaren Marketingmaßnahmen herunter, um Leute in den Laden zu bekommen. 2 für 1-Gutscheine, Get 2 Card, 2,22 Euro-Aktionen, womit man zwar kurzfristig Rabattopfer wie mich lockt, aber wahrscheinlich keine dauerhafte Kundenbindung herstellen kann.

Anyway, denn auch hier gilt wie für alle Subways: Der Salat ist sehr gut, weil reichhaltig und verschiedenartig zusammengesetzt. Warum er allerdings mit 4,49 Euro teurer sein muss als die angebotenen Stullen ist mir rätselhaft, spart man sich doch das Brot.

Die Stullen esse ich nur dann, wenn man mich mit Rabatten lockt, sonst nicht. Bis auf das zweifellos sehr frische Gemüse habe ich nämlich bei dem Brot über Fleisch/Thunfisch/Schinken/Käse bis zu den Soßen so ein merkwürdiges und schwer greifbares Instant-Gefühl, was – ja, ich weiß das doch – bei Systemgastronomie so sein muss, sonst wär´s ja keine Systemgastronomie.
Anyway, so richtig zu überzeugen vermögen mich die angebotenen Stullen leider nicht, es macht satt aber irgendwie doch wieder nicht. Schwer fassbar – ich sag´s ja. Wahrscheinlich doch wieder nur zuviel Zucker und Geschmacksverstärker überall drin, tragisch.

Eine Merkwürdigkeit ist das Personal, normal ist anderswo: Entweder kommt es in der männlichen Variante auf eine verstörend anmaßende Art schnoddrig daher, strahlt in der weiblichen Ausprägung eine seltsam traurig-melancholisch-desillusionierte Dauerlebenssinnkrise aus oder ist geschlechtsunabhängig von einer Liebenswürdig- bzw. Kumpelhaftigkeit, dass man fast Trinkgeld geben möchte.

Die Flukuation ist dabei offenbar mächtig hoch, dauernd sieht man neue blutjunge Gesichter. Auf diese Art kann man wie bei Berliner Taxifahrern jede Woche aufs Neue raten, welche Studienrichtung einem wohl gegenüber steht. Meistens tippe ich bei diesem Subway auf Jura und BWL; in Ausnahmefällen Soziologie und Sport/Mathe auf Lehramt. Neulich war ich mir sicher, dass mir Philosophie gegenüber stand, und ich fand, das passte einfach verdammt gut zum Salat.

So schön brotlos.