Burgersteig

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Burgersteig, Burger, Kreuzberg

Kein Burgerladen in Berlin, der nicht ein drolliges Wortspiel in seinem Namen unterbringt. Kreuzburger, Burgermeister, Burgeramt. Innovation ist eben alles im vierzigsten Semester Germanistik, wenn die Magisterarbeit immer noch so weit weg ist und man bis dahin erst mal einen Burgerladen aufmacht.

Ich bin noch nicht ganz überzeugt was die Vielfalt der Namen angeht. Mir fehlen noch der Wutburger für die Bewohner links-alternativer biologisch angebauter Neureichensiedlungen, deren Exponenten sich vor lauter Langeweile um Parkbebauungen, Spielplatzgestaltungen unter Feng Shui-Gesichtspunkten und den flächendeckenden Ausbau von Spielstraßen kümmern.

Oder der Obersalzburger für die Nazis aus Marzahn-Hellersdorf. Oder der Michel aus Lönneburger, der Erika Burger oder der Klein- bzw. Großburger, Burgerberatung natürlich, Gutburgerlich, Burgerentscheid, meine Güte, der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt, tralala, mehr Wortspiele gibt es eigentlich nur noch für Friseure, wovon gerade in Berlin reichlich Gebrauch gemacht wird (Behaarlich, Die Vier Haareszeiten, Sahaara, hahahaha rofl rofl lol lol Brüller ich hau mich innen Sack).

Burgersteig, soso. Haha, supi, kurz gelacht und den Burger bestellt.

Der für seinen Teil kommt hochanständig daher. Seine Zutaten sind frisch, reichlich und gut. Man beherrscht hier ganz offensichtlich das Handwerk, das Fleisch zartrosa zu belassen und keinesfalls komplett durchzubraten, was sich ausgesprochen positiv auf den Geschmack des Ganzen auswirkt. Alle Varianten sind auch in der natürlich leicht teureren Neuland-Bio-Variante erhältlich, aber auch beim Fleisch der normalen Version hat man offenbar nicht gespart. Sehr sehr gut, wobei geschmacklich kein Unterschied zwischen Normal und Bio festzustellen ist. Lifestyle muss eben auch bedient werden.

Einen Schwachpunkt habe ich allerdings auch im Gepäck und das sind die Soßen auf den Burgern: Gut, aber zu gut gemeint, zu viel und auch die Bitte, weniger zu verwenden, schafft keine Abhilfe. Es spritzt, es klatscht, es suppt. Naja.

Allerdings hat der Laden den Doppelburger-Test bestanden, an dem viele scheitern. Auseinandergefallen wie sonst so gerne ist der bei mir nicht. Hut ab.

Die Barbecuesoße ist darüber hinaus ein wenig zu überzuckert und der Ketchup für die Pommes zu profan. Naja.

Die Kartoffelvarianten kommen als normale Pommes, als Scheiben, Ecken oder Spiralen daher. Allein gemein ist das Können, sie punktgenau aus dem offenbar jungen Fett zu nehmen, was in Berlin so selten ist, dass es mir besondere Freude macht, genau das hervorzuheben. Zum Sofortverzehr sind sie deutlich zu heiß und sollten daher noch kurz ein wenig stehengelassen werden. Leider ist die Dosierung mit dem Salz tagesformabhängig, entweder komplett ohne Salz so dass Selbersalzen mit den auf den Tischen deponierten Streuern angezeigt ist oder gleich als Salzbergwerk mit Pommesbeilage, so dass man die Ablagerungen in den Arterien unmittelbar nach dem Verzehr fast schon körperlich spüren kann.

Das Personal ist ausgesprochen freundlich und für meinen Begriff auch nicht zu aufgesetzt-freundlich wie zum Beispiel bei den Happy-Hippo-Tralala-Wie-gut-sind-wir-heute-drauf-Studenten von Subway. Das soll auch so sein und freut mich sehr. Wenn man darauf steht, sich masochistischerweise das eventuell fragile Selbstvertrauen von einer Thekenkraft mit widerlichster berliner Kodderschnauze zerstören zu lassen, dann geht das hier eben ausnahmsweise mal nicht. Gut so. Weiter so. Gerne wieder.