Bäcker Schnell

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Schnell, Bäcker, Weißensee

Bäcker Schnell residiert in einer abgelegenen Ecke eines abgelegenen Lidl-Marktes in einer abgelegenen Ecke des abgelegenen Ortsteils Weißensee und verkauft eines der geilsten Brote der Stadt.

Es handelt sich um ein Bratkartoffelbrot. Mit kleinen Zwiebelstücken. Und Speck, dessen Geschmack sich dezent aber doch markant durch das ganze Brot zieht. In schwachen Momenten, wenn ich daran denke, ziehe ich einen Sabberfaden hinter mir her während ein psychotisches Grinsen meine Gesichtszüge entstellt. Dann kucken die Leute blöd, Mütter zerren ihre Kinder weg und einer ruft den Irrenarzt.

Zu dem Brot braucht man gar keinen Belag, das kann man so aufmümmeln. Trocken quasi. Oder eher nicht trocken, weil es auch nach drei Tagen noch nicht trocken ist, aber eben ohne alles. Denn der Belag ist sozusagen schon eingearbeitet. Das Brot ist tatsächlich noch drei Tage später essbar während ich andere Brote normalerweise schon nach zwei Tagen an die fliegenden Ratten vom S-Bahnhof verfüttern, als Poller für den Parkplatz vor meiner Wohnung verwenden oder damit auf dem Bolzplatz Kugelstoßen üben könnte.

Solch Glück habe ich leider selten, dass es beim Kauf noch ganz frisch und warm ist, so dass die Hälfte schon weg ist, wenn ich zuhause ankomme.

Solch Pech habe ich leider öfter, dass es wie so oft ausverkauft ist oder mir irgendein Arsch den letzten Laib vor der Nase wegkauft.

Backt doch mehr davon! rufe ich dann. Ich nehme nämlich nur ungern die Nummer zwei, das Krustenbrot, oder die Nummer drei, das Roggenschrotdingsda, die zwar auch sehr gut sind, schwöre, aber eben nicht so gut wie die Nummer eins. Denn ich will Bratkartoffeln. Und ich will Zwiebeln. Und Speck. Im Brot verbacken. Am besten gleich zwei davon, dann ist nämlich noch eines für die Familie übrig, wenn ich nach Hause komme.