Fleischerei Lehmann

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Lehmann, Fleischerei, Prenzlauer Berg

Die Fleischerei Lehmann im Mühlenberg-Center ist eine der letzten ihrer Art und hat es schwer. Unten im Untergeschoß dumpt der fürchterliche Netto mit prekärer Presswurst für wenig Geld und daneben hält Edeka dagegen und versucht – nicht immer mit Erfolg – Qualitätswurstwaren anzubieten, die preislich ein wenig ambitionierter sind.

Dafür hat Lehmann sich einen guten Platz direkt neben dem Haupteingang gesichert. Strategisch clever, zweifellos.

Doch sehe ich nur selten jemand an der Theke stehen, schon gar keine Schlange. Woran liegt das?

Ich teste und weiß sofort warum: Es ist der Preis.

Nur der Preis?

Nur der Preis. Die Waren sind sensationell gut, die Wurst schmeckt noch wie früher überall in Deutschland (und heute fast nur noch in Polen) nach Wurst und nicht nach geschmackloser Pampe aus dem Industrielabor, es ist gerne mal ein leichtes Raucharmona festzustellen, das man so im Supermarkt bei den ganzen Convenience-gestählten faden massengeschmack-getunten Wurstpackungen gar nicht mehr bekommt. Bärchenwurst, Schmierscheiß, Industriemist, Putenbrust light my ass – hier nicht, nur ehrliches und gutes Fleischerhandwerk.

Das aussterben wird.

Sorry.

 

Warum?

 

Hier die Binse des Tages: Weil die Leute nicht mehr so viel für gute Qualität bezahlen wollen. Oder oft auch nicht können, es ist die Zeit.

 

Lehmann hat jedenfalls einen neuen Kunden. Mich. Auch wenn ich mir dafür drei Pils weniger im Monat in die Murmel gießen müsste.

 

Denn solange es noch möglich ist, möchte mich darüber freuen dürfen, dass es den kleinen Einzelhandel beziehungsweise das kleine Handwerk noch gibt und noch nicht alles flächendeckend geconvenienct (Deutsch ist ne geile Sprache, oder? Kann einfach jeden Scheißbegriff assimilieren) und lebensmitteldesignt (ein Wort, haha, en garde, langue française, mach das mal nach) ist.

 

Amen.

 

Peace.