Yobarca

Yobarca, Frozen Yoghurt, Prenzlauer Berg

Neuer Hype – neues Glück. Heuer ist es gefrorener Joghurt genanntes Joghurteis, das sich flächendeckend über die Stadt verteilt. Das passt in die Zeit, man wirbt damit, probiotisch zu sein und mit einer Fettquote von sagenhaften 0,5%. Damit haben wir auch schon die Schlüsselreize für den modernen gesundheitsbewussten Großstädter auf ein Plakat gebracht (Bio/Low Fat) und das Volk kommt in Scharen und zieht sich die Süßigkeiten rein.

Süßigkeiten? Aber wieso das denn?

Aber sicher Süßigkeiten. Stellen wir zunächst mal fest: Probiotisch bedeutet gar nichts, zumindest nichts was man braucht. Glaubt man Foodwatch und Ökotest und ich tue das, ist „Probiotisch“ ein reiner Marketinggag, den man teuer verkaufen kann, und diese ursprünglich aus Fäkalien und Vaginalsekret künstlich vermehrten probiotischen Bakterienkulturen tun im Darm normalerweise gar nichts und wenn, dann können sie in Einzelfällen sogar negativen Einfluss auf das Immunsystem des Verdauungstraktes nehmen, wenn sie in Konkurrenz zu den natürlichen Abwehrkräften eines durchschnittlich gesunden Körpers treten. Und da wo sie was Positives bewirken weiß keiner so richtig warum das so ist und ob es ausschließlich daran liegt. Soweit mal dazu.

Und die Fettquote von 0,5%, die sich laut trommelnd auf der ansonsten sehr auf Understatement bedachten Außenfassade befindet und mir ein wenig zu offensichtlich die ganz naiven Geister der Gegend ködern soll, relativiert sich ganz schnell, wenn man sich den enormen Zuckergehalt vergegenwärtigt, den so ein Joghurteis beinhalten muss, damit es so süß schmeckt wie es nun mal schmeckt. Das ist der gleiche Effekt wie bei den ganzen klebrigen 0,1%-Fett-Joghurtdrinks aus dem Supermarkt, deren Zuckergehalt zum Himmel stinkt, aber die auch alle für supergesund und bio halten.

So. Und bis zu diesem Punkt haben wir auch noch gar nicht über die Ernußbutter- und Double-Choc-Crunch-Flic-Flac-Brownie-Toppings, Smarties oder Käsekuchenstückkrümel geredet, die konzeptionsgemäß in ausladender Masse das Eis überdecken.

Ergo: Hype. Schmu. Marketing. Deppenfang. Das Zeug macht so wenig schlank wie eine Milchschnitte, auch wenn Vitali und Wladimir das Gegenteil suggerieren wollen.

Trotzdem lecker. Ganz klar. Zimmerwarmer Double-Choc-Brownie-Matsch mit flüssiger Cookiestückchen-Chemiekaramellsoße auf eiskaltem Zuckerjoghurt-Softeis. Leckerleckerleckerlecker – und ich fühl mich so leicht wie nach einem Triple-Whopper-Menü mit Bacon, Käse und Mozzarella-Sticks. Verdammt ja, Joghurteis war immer schon lecker, überall, auch bei der traditionellen italienischen Eisbude, doch jetzt ist Joghurteis hip und heißt Frozen Yoghurt, schmeckt kein Stück anders als beim Italiener, kommt aber frisch aus USA und hat jetzt einen englischen Namen, weil das cooler ist. Und die Leute halten das auch noch für bio und gesund weil es draußen dransteht und fresh klingt. Exciting.

Nein, calm down Hipster, es ist immer noch nicht gesund. Wer das glaubt, der frisst auch Yogurette zum Abnehmen. Nein, ehrlich, bitte wirklich, es ist überhaupt nicht leicht, nein, geht bei so viel Zucker drin auch gar nicht, ehrlich, schwöre, putzt euch das von der Backe. Und man kann wegen der paar probiotischer Joghurtkulturen in dem ganzen Zucker auch weder besser kacken, noch wird der Stuhlgang fester oder riecht ausnahmsweise mal weniger streng, noch kriegt man deswegen mitten im Sommer keine Erkältung oder Bandscheibenvorfälle mehr oder verbraucht wenigstens weniger Klopapier beim Suffschiss. Nix. Und gegen EHEC hilft es auch nicht. Und auch nicht gegen Creutzfeld Jakob. Und man wird davon auch nicht schlank, sportlich oder gar schön. Das geht nur mit Sport. Wenn überhaupt. Oder den richtigen Genen. Oder einer Schönheitsoperation. Und manchmal hilft nicht einmal die.

Sorry.

Ist so.

Aber lecker.

Zugegeben.