Wild at heart

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Wild at Heart, Konzertkneipe, Kreuzberg

PUNKROCK !

Mit Gehhilfe.

Das Wild at heart ist ein Laden für Berufsjugendliche im Alter von 30-50, die im Geiste noch in den wilden kreuzberger 80ern eingemauert sind und davon auch 2010 nicht lassen können. Das ist positiver gemeint als der Einleitungssatz den Eindruck erwecken mag; hier taucht man nach einem langen Tag im Büro – nachdem man Hemd und Krawatte abgelegt hat – noch einmal ein in eine verratzt-punkige Kulisse, vor der man jederzeit einen neuen „Herr Lehmann“-Film drehen könnte, obwohl der Club gar nicht so alt ist – aber locker so wirkt.

Das Wild at heart ist so etwas wie die Amy Winehouse der Kreuzberger Clubszene – keimig, verlebt, völlig fertig, aber irgendwie cool. Die Konzerte besitzen eine ganz eigene Atmosphäre, aufgeheizt und im positiven Sinne aggressions- und emotionsgeladen, dabei jedoch weit entspannter als im SO 36 und immer diametral anders als in großen Hallen. Stress habe ich hier noch nie erlebt, das wird wohl am gehobenen Durchschnittsalter der Besucher liegen, was auch die knochenschonende Tatsache nach sich zieht, dass Pogo eher selten vorkommt.

Und niemand nimmt Anstoß daran, dass man mit einem Glas gutem Rotwein ins Publikum stellt und sich entspannt astreinen Punkrock reinzieht, so als sitze man zu Beethovens Neunter am offenen Kamin. Easy.

Preislich geht der Laden völlig in Ordnung, auch in chronisch unübersichtlicher Lage behält das Personal stets eine angemessene Gemütsruhe.

Gewarnt sei vor den kleinen roten Shots, die aussehen wie Baby-Bloody Marys und auch so schmecken. Eine tolle Sache, jedoch wird der großzügige Anteil des Wodkas an der Mische gerne unterschätzt, weil man ihn so gar nicht rausschmeckt aus der Tomate. Nun, das Zeug kotzt sich wie Stacheldraht, ich kann es nicht anders sagen. 

Cheers! Up the Irish! Ich trinke darauf, dass die 80er noch weitere Jahrzehnte an diesem schönen Fleckchen Kreuzberg überleben.