Subway Wrangelkiez

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Subway Wrangelkiez, Fastfood, Kreuzberg

Subway also. In Kreuzberg. Und die Scheiben sind auch schon kaputt.

Tja, in Kreuzberg eine Franchiseunternehmung einer amerikanischen Kette zu starten ist ein Himmelfahrtskommando für Lebensmüde.

Dabei kann man in Kreuzberg doch fast alles verkaufen, gerne auch minderwertig, gefaked und völlig überteuert, kein Problem, solange die richtige Message rüberkommt. Wenn ich im Bethanien morgen mein abgezogenes Bettlaken verkaufe, auf dem sich mein nasser stinkender Hund gewälzt hat und behaupte, das sei das Leichentuch von Che Guevara oder die Rotzfahne von Subcomandante Marcos, für die ich dann einen Solibeitrag von 200,- € für die Befreiung der Kokosnußbauern in Uruguay verlange, die ich später in der Pinte gegenüber versaufe, dann geht das völlig in Ordnung.

Ebenfalls völlig in Ordnung geht es, wenn ich den Sperrmüll aus meinem Keller in ein völlig heruntergekommenes Abbruchhaus stelle, eine stümperhafte aber dafür antifaschistische usbekische Housemetal-Dancecore-Combo ohne Aufenthaltsgenehmigung engagiere, meine widerliche selbstgemanschte Kartoffelsuppe in der Volxküche für nen Fünfer anbiete, das Ganze als Solikonzert für die wegen Prostitution in den USA einsitzende kommunistische Cousine Fidel Castros deklariere und den Erlös morgen in der gleichen Pinte versaufe. Kommt in Kreuzberg ebenso voll korrekt.

Ich kann es mir aber auch richtig einfach machen, ganz ohne den alten Kreuzberger Politfirlefanz. Ich pachte einfach eines dieser vielen ranzigen Cafes und stelle ein paar arbeitslose Friseusen von der Mecklenburgischen Seenplatte ein, die Spaß daran haben, Gäste wie Maden und Würmer zu behandeln. Dann lasse ich meine Klos noch so verrotten, dass dort nicht einmal die Junkies vom Kotti pinkeln würden und putze die Bude erst, wenn die Stühle am Boden festkleben.
Das alles geht völlig in Ordnung, die Kreuzberger werden mir die Bude einrennen und mir ihr Geld reihenweise hinterher werfen, weil das nämlich cool ist.
Und der Kreuzberger ist gerne cool.

Und weil das dann so richtig viel Geld ist, was die Kreuzberger mir für mein fauliges SM-Cafe hinterwerfen, wird es nicht in der Pinte gegenüber versoffen, sondern im Thai-Puff ein paar Straßen weiter.

Easy. Alles kein Problem, alles cool, alles Kreuzberg.

Uncool sind dagegen amerikanische Franchiseunternehmen in jeder Ausprägung und was der Kreuzberger uncool findet, das bewirft er gerne mal im Schutze der Nacht mit Pflastersteinen und Farbbeuteln. Ob er damit die Zukunft eines jungen Existenzgründers ruiniert, der mit den Franchise-Stullen vielleicht noch eine Familie durchbringen muss, ist im Rahmen des weltweiten Befreiungskampfs völlig nebensächlich.

Die Stullen mögen ja nicht jedem schmecken und der amerikanisch angehauchte Gute-Laune-Service nicht jedem liegen, (ich selber finde die Stullen korrekt, aber bei weitem keine Offenbarung, den Salat hingegen finde ich lecker wenn auch leicht überteuert), dennoch halte ich es mitnichten für altmodisch, dass Gewerbefreiheit für alle gilt. Auch in Kreuzberg.

Venceremos!