Nil

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Nil, sudanesisch, Kreuzberg

Ach, das Nil. Gut gemeint ist ja so oft nicht gut gemacht. Und leider auch hier, wo man sudanesisch sein will.

Die vegetarischen Speisen überzeugen überhaupt nicht, sie sind völlig überraschend absolut fad, wenig gewürzt und nicht wirklich originell. Was ich da auf dem Sudanteller, der unverständlicherweise völlig ohne Brot daherkommt, vor mir habe, sind im Endeffekt Kartoffelecken aus der Friteuse ohne Salz, langweilige Kidneybohnen bar jeder Raffinesse im eigenen glasigen Sud schwimmend und ein merkwürdig sahniger Irgendwas-Kohl-und-Karottenartiges-in-Cremefine-Salat, der gar nicht erst versucht, Frische und Originalität vorzutäuschen und so nur nach nichts schmeckt.

Und das war’s. Das ist der Sudanteller. Bitte nicht noch einmal.

Die fleischhaltigen Speisen sind nur bedingt besser und für das vorgeblich afrikanische Konzept ebenso merkwürdig lasch, auch die Köfte – sonst ein Heimspiel für jeden, der sonst nichts kann – überzeugen nur bedingt. Zwar ist es möglich, mit profaner Chilisoße bzw. -pulver nachzuwürzen, aber das bringt nicht wirklich mehr Geschmack in die ganze Sache, sondern nur Schärfe wie auf einem lauen Döner. Schwach. Leider.

Allen Speisen im keineswegs frischen Pitabrot gemein ist die sehr ärgerliche Tatsache, dass sich die Mahlzeit in der Hand aufgrund der Masse an Soßen, die in einer rekordverdächtigen Schnelligkeit das Brot durchweichen, bereits zu Beginn selbst zerlegt und sich im Raum verteilt. Der Hinweis, bitte weniger Soße zu verwenden, dringt nicht durch, denn auch dann flutscht gleich zu Beginn ein großer Schwung Soße mit Stückchen seitlich aus einem Loch im Brot auf das Handgelenk, lässt danach einen Erdnusssesamsoßensee (ein irres Wort, ich möchte es Katja Burkard sagen hören, unbedingt) auf dem Tisch entstehen und zerlegt zum Schluss die ganze Speise so konsequent in ihre Bestandteile bis optisch eine Art Verkehrsunfall entsteht, was ein Weiteressen ohne Löffel unmöglich macht und den Transport dieses Gesamtkunstwerks namens „Matschhaufen auf Serviettendesaster“ zum Mülleimer zur ultimativen Mutprobe macht, wenn man vorhat, danach noch ins Büro zu gehen.

 

Nein, ich bin nicht begeistert, leider gar nicht, drei Chancen gegeben, drei Chancen komplett vergeigt. Aber man sieht es ja auch bereits von weitem, wenn man aufmerksam ist, was ich mal wieder nicht war. Während überall in der Umgebung die Mittagslokale brummen, isst hier nur selten jemand außer mir. Und das zu Recht. Jeder libanesische Imbiss im Umkreis kann das, was hier angeboten wird, deutlich besser. Schade.