Imbiss 204

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Imbiss 204, deutsch, Prenzlauer Berg

Endlich mal eine gute Idee: Raus mit dem deutschen Essen aus der Ekelecke, weg von Currybutze, Eckkneipe und Autobahnraststätte Köckern in Sachsen-Anhalt. Deutsche Küche geht nämlich auch gut, nur ist das in Berlin etwa so selten wie ein lebender Dodo oder weniger als zwei Stunden Wartezeit im Bezirksamt Pankow.
 
Und so denkt jeder Tourist, die Deutschen fressen den ganzen Tag nur Bockwurst, Schweineschnitzel und Mettigel und wenn sie es nicht tun, knallen sie sich allen möglichen Mist rein, Chinapfanne, Ekeldöner, Prekärpizza, nur nix Deutsches und schon gar nix Vernünftiges.
 
Stimmt ja auch.
 
Irgendwie.
 
Der Imbiss 204 verlässt diese Pfade und beweist, dass Deutsch im kulinarischen Bereich nicht gleichbedeutend mit Scheiße sein muss. Das zweigängige Mittagsgericht schlägt mit 7,50 zu Buche, ich würde dafür sogar mehr zahlen, denn es ist meistens verdammt gut, wenngleich es auch hier Currywurstgesichter gibt, die über den Preis meckern, für den man locker und gut satt wird.
 
Ich sehe für die lausigen 7,50 folgendes: Perfekt zubereitetes und vor allem qualitativ hochwertiges Fleisch trifft auf liebevoll bearbeitete Beilagen, die man nicht immer so schön komponiert vorgesetzt bekommt. Das ist schon klasse, das Mittagsgericht. Mit Abstrichen. Abstrichen in der Form, dass man manchmal Pech haben kann und etwas vorfindet, das man so nicht erwartet, zumindest nicht hier.
 
Aha, was denn?
 
Runter mit den Spendierhosen, Django: Schupfnudeln aus der Packung hatte ich kürzlich nicht auf der Rechnung, sonst wär ich lieber woanders hingegangen. Hab ich nicht erwartet, echt nicht. Die Dinger aus der Packung gehen gar nicht.
Schade, meine Güte, es ist doch viel billiger und kackeinfach, die Teig selber zu machen, meinetwegen auch mit ein wenig kleingeraspeltem Rucola für die Optik und ab dafür. Stattdessen diese trockenen Gummidinger, die immer so gern als Klumpen im Hals stecken bleiben und wenn man sie noch so tief in die dazu unpassend großartige Soße tunkt. Schade, echt, die Dum-Dum-Geschosse erwarte ich in Brandenburg, an Autobahnraststätten, Grenzübergängen oder an grenznahen Autobahnraststätten in Brandenburg, aber nicht bei euch.
 
Genug geäfft, alles andere ist perfekt, vor allem das Wiener Schnitzel: Hochklassiges Kalb bettet sich in einer eleganten und mit ihrem leichten frisch gemahlenen Pfefferaroma außerordnetlich perfekten Panade auf einem warmen Kartoffelsalat, der endlich mal ohne Mayonaise daherkommt – selten in Berlin, wo man meistens auf Mayosuppe aus dem Eimer mit schäbiger wabbeliger Kartoffeleinlage schwört. Bah.
 
Dazu schlürfe ich eine lustige Cola mit Dattelsirup – Haji genannt. Strange. Aber lustig. Selbst in Prenzlauer Berg – dem Ort mit den schrägsten Getränkeangeboten der Welt – ist mir das Zeug noch nicht untergekommen.
 
Große Freude und volle Punktzahl von mir, aber wenn ich noch einmal Schupfnudel-Gummipuller aus der Packung auf meinem Teller sehe, lass ich mich scheiden.