Mikoto Pappelallee

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Mikoto, Sushi, Prenzlauer Berg

Sushi ist ein Massenpodukt geworden. Galt man in den 90ern, wenn man rohen Fisch gegessen hat, noch als skurriler Freak und wurde in einen Topf geworfen mit Menschen, die Hüte aus Alufolie tragen, nackt um Rosenbüsche tanzen oder Heilsteine anbeten, ist Sushi heute ein Lifestyle-Produkt, mit dem sich – von einigen Ausnahmen abgesehen – nicht mehr wirklich viel Geld verdienen lässt, denn sie schießen an jeder Häuserecke aus dem Boden, 50% hier, 25% da, all you can eat hüben, 2 for 1-Menü drüben und jeder Schulabbrecher, Taxifahrer oder Bummelstudent macht jetzt einen auf Sushi, vor allem aber die Nachkommen der ehemaligen DDR-Vertragsarbeiter, denen man wenigstens optisch ihre Nähe zu Japan ansieht und von denen immer weniger mit ukrainischen Stahlwolle-Zigaretten an den Bahnhöfen stehen.

Nein, die kochen jetzt. Oft gar nicht so schlecht, oft aber auch sehr schlecht und gerade beim Sushi sind mir in den letzten Jahren ein paar üble Machwerke untergekommen, die dessen Ruf in den Dreck ziehen.

Mikoto. Pappelallee. Stylish sieht er aus, der Laden, edel, sauber, in Grüntönen gehalten, ganz anderes als der grelle Sushiladen eine Ecke weiter mit dem BilligBillig-Transparent an der Fassade, der sich mit Fussball-und-Flachbild-Molle-und-Korn-Kalle-und-Kumpels gebärdet wie eine Eckkneipe und bei der ich nur unter Gewaltandrohung Sushi essen würde und daher rückwärts ganz schnell wieder hinausfloh.

Das Sushi ist bei Mikoto gut, nicht ganz so gut wie beim Sushimeister vom Sasaya ein paar Meter weiter, der mich für alle Zeiten gegen jedes andere Sushi geimpft hat, aber gut, solide gar, aber mit kleinen Ärgerlichkeiten.

Ein No-Go, sorry: Nooooooouuuuu-Goooooooooouuuuuu (stellen Sie sich einen kleinen abgespreizten Finger dazu vor) ist eine ausgefranste Seite bei den Inside-Outs, aus der der Inhalt in Form von Gurken, Lachshaut und Avocado wie Gedärm aus dem Bauch eines aufgeschlitzten Zombies herauslugt. No fucking way, das Auge isst beim Sushi mit und die Hand mit den Stäbchen versucht in der Folge nur untauglich, den unförmigen Brocken in den Mund zu bugsieren, aber er zerfällt natürlich und verteilt sich im Raum. So geht das nicht. Ich will keinen Löffel nehmen müssen.

Wenn man zum Mitnehmen bestellt, dann wir hier offenbar gerne gespart und die Rollen der Inside-Outs quetschen sich in die Plastikbox wie Bürohengste zur Stoßzeit in einen Fahrstuhl, wachsen in der Folge zusammen und sind nur mühsam wieder zu trennen. Ein Messer tut in diesem Fall gute Dienste, aber das ist auch überhaupt nicht Sinn der Sache. Schade.

Zuletzt ist der Ingwer die übliche Massenware, aber wenigstens gute Massenware (es kam mir schon deutlich Schlimmeres und vor allem Saureres unter), und das Wasabi ist in Ordnung, ohne aber einen besonderen Akzent zu setzen.

Aber nein, ich will nicht unken, nicht äffen, nicht meckern, das Mikoto gehört zu den besseren Sushilokalen hier in der Gegend, was mehr über die Sushiläden der Umgebung aussagt als über das Mikoto. So gehört es ganz sicher nicht zu den ganz wenigen hochklassigen Anbietern hier, jene, die zum Beispiel selbstverarbeiteten ganz frischen Ingwer anbieten, deren Rollen ein optisches Feuerwerk sind und deren geschmackliches Erlebnis einfach um Welten runder ist als hier beim Mikoto.

Ein paar Meter weiter ist das Sasaya. Ein paar Euro teurer, aber man sieht und schmeckt den Unterschied.