Hatoki

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Hatoki, Sushi, Prenzlauer Berg

Hey, super, endlich mal wieder ein neuer Sushi-Laden hier an der Ecke.

Gibt so wenige davon.

Nur in jedem zweiten Block.

Das reicht doch nicht.

Ernsthaft, ich versuche seit Jahren die vielen Sushiläden hier nacheinander auszuprobieren, aber immer wenn ein Flyer durch den seit Jahren unaufhaltsam wachsenden Flyerstapel in der Abstellkammer nach oben durchgerutscht ist (was ungefähr so lange dauert wie das Bezirksamt Pankow für einen durchschnittlichen Verwaltungsvorgang braucht – also mehrere Monate), dann ist der Laden wieder zu und es haben wieder fünf neue Sushi-Läden im Block aufgemacht, deren zehn Flyer ich täglich aus dem Briefkasten fische. Im Winter kann es so nie kalt werden, denn wenn die Heizung mal ausfällt heize ich mit Sushiflyern, der Vorrat geht nie zuende.

Wo sind wir heute? Hatoki-Sushi. 20% Rabatt. Eröffnungsangebot, denn ich bin mittlerweile so clever und arbeite den fast umkippenden Sushi-Flyer-Stapel, für den ich mittlerweile eine ausgewachsene Malerleiter brauche und den ich mit Stützbalken an den Seiten stabilisiert habe, von unten durch, was die Chance erhöht, dass es den Laden noch gibt, wenn ich irgendwann geruhe zu bestellen.

Mittlerweile habe ich dazugelernt. Sushi beim Deutschen bestellen taugt nicht. Es schmeckt nicht. Genau wie beim Döner, der schmeckt beim Deutschen auch nicht. Der Deutsche kann nur Currywurst und Boulette. Also gilt: Es muss ein Asiate sein, den man am Telefon daran erkennt, dass man mindestens dreimal seinen Namen und fünfmal seine Adresse durchgeben muss bis man zuletzt das Okay in Form des Satzes „Kommeglei au viesig minuta issokeh?“ erhält.

Hatoki liefert außerhalb der Stoßzeit nach etwa 50 Minuten, was für einen Sushi-Lieferanten eher mittelmäßig ist. Dafür ist der Fahrer in der Lage, auch einen 50-Euro-Schein kleinzumachen und bleibt auch noch freundlich dabei.

Bei Hatoki arbeitet auch ein Komiker, der gerne Possen reisst und jedesmal genau ein Teil meiner Bestellung austauscht, um zu prüfen ob ich achtsam bin. Masagihülle bestellt? Haha wollen wir mal sehen, ob er was merkt – nehmen wir lieber Sesam. Spicy Tuna? Haha, lassen wir das Spicy mal weg, das merkt der eh nicht mit dem Wasabi und so.

Aber ich habe Humor und nehme nicht übel.

Bekanntermaßen bin ich darüber hinaus nicht in der privilegierten Position schnöseliger Sushi-Kenner, die mit wichtiger Miene ein originales japanisches Meistersushi vom vietnamesischen Fakesushi unterscheiden zu können behaupten und damit so blasiert daherkommen wie die nicht minder schnöseligen selbsternannten Weinkenner, die ihre nutzlosen Informationen, mit denen sie zu beeindrucken suchen, vorher vom Etikett auswendig gelernt haben.

Aaber ich weiß was mir schmeckt. Immerhin.

Dazu gehört ein optimales Verhältnis zwischen Reis und Fisch, wobei bitteschön nicht mit dem Fisch geknausert werden sollte und einen Fisch, der schon eine Spur zu lange im Warmen lag, schmecke sogar ich raus. Das wars. Mehr brauch ich nicht.

Das Sushi von Hatoki ist sehr gut. Frisch, kein Ranz, in weiten Teilen vernünftiges Reis-Fisch-Verhältnis (mit Ausnahme der Nigiri, aber das kann man ja abpupeln) und eine nette Auswahl.

Die Auswahl ist in der Tat nur „nett“ (wie ein Hamster oder der Klassenstreber in der Schule, der der Klassenschönheit immer seine Hausaufgaben überlässt, aber nie zum Zug kommt). Überraschungen oder kreative Kreationen sind in der Karte nicht zu finden. Man findet das, was man überall findet. Das Gleiche gilt für den Preis, der sich von dem der meisten anderen Lieferanten weder positiv noch negativ unterscheidet. Wahrscheinlich haben die einschlägigen Anbieter das Preisbildungsprinzip von den Mineralölkonzernen abgekuckt, nur mit der Ausnahme, dass die Sushi-Preise auch zu Urlaubszeiten stabil bleiben.

Nein, prima, kann man machen. Hinsichtlich der Lieferzeit ist noch Luft nach oben, aber sonst sehr ordentlich. Danke. Weiter so.