Currywurst und Coffeeshop

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currywurst und coffeeshop, Imbiss, Prenzlauer Berg

CURRYWURST! Paff, in die Fresse – hier hat jemand überhaupt keine Lust auf relaxtes Understatement oder subtile Raffinesse, sondern spricht die Zielgruppe live und direkt brachial brutal frontal an. Diese Zielgruppe besteht aus Touristen jedweder Nation rund um die Kulturbrauerei in Berlin-Prenzlauer Berg auf der Suche nach einer Authentizität, welche die Gegend schon vor vielen Jahren verlassen hat und nur noch hier und da hübsch zum Abfotografieren konserviert wurde – Touristen dergestalt im Übrigen, die beim Wort CURRYWURST ebenso an eine typisch deutsche kulinarische Spezialität denken wie bei der Türkei und Döner.

Unwissende mithin, denen hier unvermittelt eine orangene Leuchtreklame ganz laut „CURRYWURST“ entgegen schreit, wenn diese aus dem östlichen Ausgang der Kulturbrauerei kommen. Nein, kein richtiger Name, kein Wortspiel, keine kryptischen Buchstaben, Chemieformeln oder pseudohippe Bezeichnungen auf Kisuaheli, Pashtu oder Mandarin wie hier in Prenzlauer Berg sonst gerne genommen. Nix. Nur CURRYWURST. Peng. Voll auf die Zwölf. Damit auch jeder blöde japanische Tourist, der knipsend aus der Kulturbrauerei tapst, sofort weiß dass es die da gibt, diese berühmte german CURRYWURST.

Rein objektiv ist der Laden ja offenbar kein Bringer mehr. Schaut man sich die Bewertungen der letzten Monate an, vergeht einem die Lust, hier jemals eine CURRYWURST zu essen, aber egal, wer schon so manche wirklich miese CURRYWURST überlebt hat, den wird auch diese CURRYWURST nicht töten. Tut sie auch nicht – im Gegenteil – sie ist durchaus okay.

Richtig Mühe gibt man sich mit dem Ketchup. Der kommt nicht billig wertlos daher, sondern vernünftig und reichlich. Es wird Schärfe angeboten, die aber leider nicht scharf ist sondern nur so tut. Schade. Im Gesamten ist die Wurst leicht besser als Konnopke, was aber nicht wirklich eine Auszeichnung ist.

Yalla Yalla – Geschwindigkeit ist dabei auch nicht sein Ding, es dauert seine Zeit, dafür ist es nicht abgestanden und oll, wobei: Ein bisschen verpeilt kommt manchmal der Service daher, warten mehr als drei Kunden geht einiges durcheinander, da der Service sich nicht merkt wer was bekommt, sondern den Mampf auf die Theke stellt und dessen Namen brüllt. Naja.

Was recht gut gelungen ist, ist der Kaffee, den es hier gibt.

Und auch die Boulette ist nicht übel, habe ich anderswo aber auch schon besser gegessen.

Richtig schwierig sind hingegen die Pommes zu bewerten. Sie kommen in der Form nicht klassisch tiefkühlfrosta-like daher, sondern eher dick dünn lang kurz, irgendwie ungenormt – erfrischend anders jedenfalls und nicht wirklich schlecht. So sind sie schön knackig und bissfest, vernünftig gesalzen, geschmacklich völlig okay, kein Weltrekord, aber kann man mal machen.

So, ich weiß nicht so recht, warum ich unbedingt dort meine CURRYWURST mit Pommes essen soll, aber wenn ich mal wieder unmotiviert aus der Kulte wanke, ist der Laden für eine gepflegte Alkohol-Fressattacke sicherlich gut.

Tja, und wer weiß warum mitten im Text ein nur leidlich in den Kontext passendes arabisches Wort für „Auf geht’s“ steht, der darf sich freuen, dass er nicht zur Zielgruppe von Brachialmarketing gehört.