Mikoto Kreuzberg

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Mikoto, asiatisch, Kreuzberg

Wow, denke ich, schicker Laden, schönes Angebot querdurch.

Ui, denke ich weiter, 50% auf Sushi dauerhaft, was aber erst nachvollziehbar wird, wenn man die ausgesprochen hohen Ausgangspreise als Berechnungsgrundlage bemerkt. Ja, toll, damit relativiert sich das mit dem dicken 50%-Plakat auch wieder und wir haben Normalpreise, die aber als Rabatt verhökert werden. Fragwürdig.

Aber man isst hier gut. Die Vorspeisen sind fein, durchaus halbwegs gesund und als Starter durchweg zu empfehlen. Es gibt allerdings auch tatsächlichen jemanden, in dessen Hörweite ich mich zu meinem Bedauern befand, der bemängelte, dass die japanische Pilzsuppe mit 2 Minuten zu schnell in der Zubereitung war, weil das ja nur aufgewärmt bedeuten könne. Jetzt frage ich mich, ob peinliche Zeitgenossen wie dieser, mit dem ich die Luft gemeinsam zu verbrauchen gezwungen bin, ernsthaft erwarten, dass eine solche Suppe jedesmal, wenn jemand bestellt, frisch angesetzt wird und Stunden durchzieht. Wer schon einmal eine Suppe selber hergestellt hat weiß um die Zubereitungszeit und fragt sich daher, in welchem Paralleluniversum solche Leute leben und warum sie ausgerechnet heute wieder Freigang haben.

Auf der Tafel für die Tagesgerichte steht „scharf“. Scharf bedeutet hier allerdings nicht scharf sondern deutsch-scharf, was wiederum heißt: Nicht scharf oder zumindest nur dem Namen nach scharf, mit einem kleinen Prickeln auf der Zunge, so dass auch Opa Kowalke aus der Laubenpieperkolonie Glückauf Tempelhof auf der anderen Seite neben mir vor seiner Frau den harten Maxe markieren kann, indem er einfach ein scharfes Gericht bestellt, das gar nicht scharf ist („Höhö, scharf, nehm ich, pack ich schon, damals während der Ardennenoffensive…“). Und keiner merkt’s. Holla. Trick 17. Merkt fast keiner.

Nein, es ist leider wirklich nicht besonders scharf, das Ganze, eher salzig und damit fast schade. Aber ganz gut, kann man machen.

Die Gerichte sind zu meiner Freude auch nicht so soßenlastig wie anderswo, wo man gerne eine komplette Dose Kokosmilch mit Currypulver über Bambus, Brokkoli und Hähnchenreste schüttet und das ganze fast suppenartige Machwerk als Thai-Green-Curry an Idioten und Besoffene verhökert. Nein, ganz gut hier. Kann man machen.

Ungläubige Schockstarre ruft von weitem zunächst der Teebeutel für den grünen Tee hervor, der sich bei näherem Hinsehen aber glücklicherweise als gezwirbelter Einweg-Teefilter mit vernünftigem grünen Tee entpuppt und überhaupt nicht mit dem minderwertigen und im Normbeutel verklappten geschmacklosen Grünzeugabfall zu vergleichen ist, den man im Supermarkt irreführend als grünen Tee bezeichnet erhält. Prima.

Das Sushi variiert, je nachdem, wer heute hinter der Theke steht. Die Bandbreite reicht von ganz herausragend fest-lecker-großartig bis mittelmäßig-auseinanderfallend plus zerfetztem Rollenrand. Ganz schlecht war es jedoch nie. Kann man machen, wenn auch hier mal wieder leider kein Sushimeister vom Himmel gefallen ist.

Der Service zuletzt ist in seiner weiblichen Ausprägung bildhübsch-charmant, in seiner männlichen Ausprägung lustig-fast-schrill und für diese Gegend meist eine Offenbarung in Freundlich- und Verbindlichkeit. Besser geht nicht ohne krampfig zu werden. Selten mal, dass Trinkgeld so locker sitzt.

Kann man. Ja. Kann man machen.