Schupke

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Schupke, Kneipe, Wedding

Es gibt Leute die erwarten in einem 2-Sterne-Hotel einen Wellnessbereich mit Sauna, es gibt Leute die erwarten an einer Currywurstbude formvollendetes Kniggedeutsch, es gibt darüber hinaus Leute die erwarten in Neukölln keine ranzigen Second-Hand-Läden sondern Edelboutiquen und es gibt ganz offenbar Leute die erwarten in einer Studentenkneipe im tiefsten Berlin-Wedding Sterneessen und goldene Wasserhähne.

Mit dem Schupke haben wir in einem der weniger privilegierten Kieze des Wedding eine urige Studentenkneipe, die zum Saufen und Feiern fast schon lehrbuchmäßig geeignet ist und es damit schon mal schafft, zwei elementare studentische Grundbedürfnisse zu befriedigen.

Zum Saufen gehört als Folge des exzessiven Alkoholmissbrauchs zu später Stunde ganz elementar das Fressen vorzugsweise kohlehydrat- und fettreicher Kost, ein ganz zwingend mit dem Saufen gekoppeltes Sub-Bedürfnis zu später Stunde, welchem hier mit einer kunterbunten Karte von Nachos, Burgern, Pasta etc. begegnet wird – fast alles in stabiler, bodenständiger nicht sehr anspruchsvoller Form und doch sehr passend als Begleitung zu großen Mengen Bier, Wein, Mojito, Havanna-Cola. In der Tat ist das Essen nicht zwingend gut, man kann Glück haben aber auch großes Pech. Abgeraten werden muss in der Regel von den Burgern, die für den Preis wirklich unangemessen mies sind, der Rest ist für einen ordentlichen Rausch vollkommen okay und portionsmäßig sehr sättigend. Ich finde, mehr muss eine Studentenkneipe zunächst mal nicht leisten.

Die Getränkekarte ist sehr gut sortiert und bietet alles Wesentliche für den gepflegten Vollsuff. Sehr cool sind die von einem Könner (resp. einer Könnerin) gefertigten Cocktails, ab 17 Uhr gibt es den Tagescocktail für 3,33 Euro – angesichts der sehr hohen Qualität ein gutes Geschäft.

Die Klos sind studentisch volksnah, laden damit alles andere als zu längeren Sitzungen ein, sind aber bei weitem nicht so versifft wie in einer durchschnittlichen studentischen Männer-WG.

Der Service war bisher nie zu beanstanden, kommt nur etwas ins Straucheln, wenn der Laden voll ist, aber auch das bewegt sich immer noch völlig im Rahmen des Tolerierbaren und bringt mich nicht aus der Ruhe.

Preislich muss das Schupke, trotz der Sonderaktionen wie z.B. den Cocktails, aufpassen, dass der studentische Rahmen nicht verlassen wird, man bewegt sich in dieser Hinsicht mittlerweile am oberen Rand des Zumutbaren für die Zielgruppe, das kulinarische Angebot und vor allem den Kiez. Schnell kann es so passieren, dass die Zielgruppe völlig wegbricht, ohne dass eine neue erschlossen werden kann. Ein Drahtseilakt.

Es wäre schade drum.