Hostaria La Buona Forchetta

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Hostaria La Buona Forchetta, italienisch, Kreuzberg

Mitten im Gräfekiez, dieser aus meiner Sicht schönsten Ecke Kreuzbergs, befindet sich die Hostaria La Buena Forchetta. Viel zu klein, weil immer voll, und ausgestattet mit allerlei Dekoration und Tand aus Küche und Hof bietet sie bodenständige unaufgeregte Küche in bis zu sieben Gängen.

Das volle Menü schlägt mit 35 Euro zu Buche, wird mit drei Vorspeisen eröffnet, mit ebenfalls drei Hauptspeisen weitergeführt und einem Dessert versüßt, auf welches zur Verdauung Espresso mit Grappa folgt. Begleitend werden Wasser und Wein angeboten, die im Menü inbegriffen sind und den Besuch an diesem Ort damit zu einem voll kalkulierbaren Erlebnis machen.

Das Menü kann deshalb ohne zu lügen als unaufgeregt bezeichnet werden weil es nicht mehr als der Preis suggeriert bietet. Aber auch nicht weniger.

Es handelt sich fast durchweg um verhältnismäßig einfache Gerichte, die problemlos auch zuhause gekocht werden (können). Das macht sie zwar nicht weniger lecker, dürfte aber anspruchsvollere Zeitgenossen eher weniger zufriedenstellen können, da es sich nicht um ein Menü handelt, welches ohne Abstriche als hochklassig durchgehen könnte. Sterne oder sonstiges Lametta würde es hierfür eher nicht regnen.

Auch für einen romantischen Abend zu zweit mit dem Ziel eines zeitnahen Koitus eignet sich der Besuch eher nicht, da es durch die Enge sowie der weinseligen Geselligkeit ausgesprochen laut im Lokal zugeht und auch der süffige Wein in seinen ausladenden Mengen hinsichtlich einer nur noch halbwegs attraktiven Aussprache deutlich seine Spuren hinterlässt.

Beides führt automatisch noch lautere Verständigung nach sich, die von den benachbarten Tischen unmittelbar in gleicher Weise gekontert wird, so dass nach einer verhältnismäßig kurzen Zeit ein mehrstimmiger Kanon den Raum beherrscht, der nicht mehr abklingt.

Sanft geheuchelte aber zielführende Komplimente über Kleid, Frisur, Augen oder Ohrläppchen sind hernach nur noch schwer glaubhaft zu vermitteln, es sei denn das Gegenüber wurde zeitnah in weiser Voraussicht mit einer Karaffe Weißwein gefügig gemacht.

Das Erreichen des abendlichen Ziels – hier abendlicher Höhepunkt zu schreiben wäre eine zu billige Pointe – ist allerdings irgendwann gar nicht mehr so relevant, denn neben der zwangsläufigen weinbedingten Bettschwere ist nach sieben Gängen auch die körperliche Beweglichkeit derart eingeschränkt, dass das eigentliche Ziel des Abends mit der Zeit ganz von alleine aus dem Blickfeld gerät und unter den Holztisch fällt.

Mehr Substanzielles ist kaum hinzuzufügen, so bleibt, dass der Gast für seine 35 Euro ohne Umschweife einen anständigen ehrbaren Gegenwert erhält, auch unter dem Aspekt, dass der durchaus nicht unsüffige Wein in seinen rauen Mengen einen routinierten Begleiter des Essens abgibt und das Personal ausgesucht freundlich selbst betrunkene Gäste betreut.

Es sei zuletzt noch der kostenlose Ratschlag spendiert, dass ein Spontanbesuch aufgrund der regelmäßigen Überfüllung des eher kleinen Raums nur eingeschränkt zu empfehlen ist.

Reservieren bringt manchmal Vorteile in Form eines Sitzplatzes für einen gemütlichen Abend voller Nahrung.