Curryinsel

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Curryinsel, Imbiss, Prenzlauer Berg

Die Curryinsel könnte als Metapher für jemanden gelten, der sich strategisch einwandfrei positioniert, um den aber alle einen großen Bogen machen. Keine Ahnung, irgendwie so wie auf dem Pausenhof: „Haha, was stimmt denn mit dem nicht, steht da so blöd in der Mitte rum – echt voll die Curryinsel, Alter…“

Im Ernst: Egal, wann ich da vorbeilaufe, Sommer oder Winter, Mittags oder Abends, Mittwoch oder Samstag, da ist nie jemand anderes außer dem zwielichtigen Wurstbrater und manchmal nicht mal der. Das gibt’s doch gar nicht: Eine Milliarde Fußgänger in der Stunde, mehr Laufkundschaft gibt’s nur noch auf dem Times Square oder auf Bahnhöfen der Berliner S-Bahn, aber keiner hält da an und isst ne Currywurst. Was wissen die anderen was ich nicht weiß? An wen verkauft der seine Würste? An Besucher aus der Parallelwelt, Kobolde und Feen?

Kennt jemand die Szene aus „Herr der Ringe“, als Aragorn und Co. die Höhle der Armee der Toten betreten? Das war mein Bild vor Augen, als ich aus dem Pulk der Fußgänger ausscherte und auf die Curryinsel zuhielt. In der Erwartung, jeden Moment einen dieser grünen durchsichtigen Toten durch mich hindurch hauchen zu spüren bestellte ich allen Mut zusammennehmend einmal Currywurstpommescola.

Ein Biß und der ganze Mystikquatsch löste sich in Luft auf. Ich war doch nur im Prenzlauer Berg auf einer blöden Verkehrsinsel an einem wenig frequentiertem traurigen Currywurststand und nahm eine fade Wurst mit ebenso faden Pommes zu mir.

Und das ist alles, was ich darüber sagen kann.