Neugrüns Köche

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Neugrüns Köche, deutsch, Prenzlauer Berg

Neugrüns Köche haben nicht nur einen hohen Anspruch an die Qualität der angebotenen Speisen, sondern auch ein erfrischend anderes Konzept.

So bietet man stets zwei viergängige Menüs an, die zum einen regional (Berlin-Brandenburg) und zum anderen mediterran inspiriert sind. Diese Menüs kann man beliebig reduzieren, wobei sich gleichzeitig natürlich auch der Preis reduziert.

Das erleichtert dem unentschlossenen Gast die Speisenauswahl nicht unerheblich, zumal man anhand der leicht hochpreisigen Ausrichtung zu Recht ein Geschmackserlebnis erwarten kann.

Und man wird nicht enttäuscht: Zart auf der Zunge zergehendes Fleisch, auf den Punkt zubereitet, das knackige Gemüse zum Beispiel mit leichtem Vanillearoma, die Suppe kräftig aber dennoch edel, selbstgebackenes rustikales Brot mit feiner Anis- und Kümmelausrichtung und dezente Nachspeisen mit Niveau und unbestreitbarer Klasse.

Nein, das ist ganz hochklassige Handarbeit, die seitens der Küche hier abgeliefert wird – ein Erlebnis für Nase, Zunge, Gaumen und nicht zuletzt Magen. Besser geht schwer unterhalb der Sterne.

Natürlich sind die Portionen dem Anspruch angemessen, was bedeutet, dass man nur mit den vollen vier Gängen satt wird, die im Gesamten mit 39,50 Euro zu Buche schlagen.

Wem die Speisen bei dieser angebotenen Qualität und Handwerkskunst zu klein sind und diese daher nur schwer genießen kann, der ist vielleicht doch besser im XXL-Restaurant in Marzahn aufgehoben, wo es ganz viel prekäres Fleisch aus der prekären Fritteuse für den prekären Euro gibt.

Nein, keine Kritik meinerseits am Essen. Menge, Qualität und Handwerk sind aus meiner Sicht völlig in Ordnung so wie sie sind und sogar noch etwas darüber hinaus. Sterneküche wäre weniger, dabei aber nur wenig besser, aber sicher teurer.

Wo ist nun also das Problem?

Eindeutig: Der Service. Wie leider so oft in Berlin ist dieser unzureichend, unaufmerksam und langsam. Bei Neugrüns Köche verquatscht man sich darüber hinaus gerne mal mit Stammgästen, während andere Gäste auf das Abräumen der seit 20 Minuten leergegessenen Teller warten. Es herrscht ein, zwar trotz aller Überforderung wirklich freundlicher, aber unbestreitbar fahriger und komplett unkoordinierter Eindruck, alle Servicekräfte scheinen irgendwie für alle und keine Tische zuständig zu sein, so dass völlig planlos hin- und hergewuselt wird und teilweise sogar der Koch aus der Küche kommen und unterstützen muss.

Das viergängige Menü dehnt sich so gerne auf über drei Stunden aus, der Getränkenachschub erfolgt dabei schleppend bis gar nicht und der Bezahlwunsch muss fast unter Gewaltandrohung bei mehreren vorbeieilenden Ansprechpartnern durchgesetzt werden.

So möge bitte ein Herr Rach vom Olymp herabsteigen, einmal mit dem Stahlbesen durch die Arbeitsorganisation fegen und das hier neu machen, es leuchtet mir nämlich überhaupt nicht ein wie den drei Servicekräften dieses im Prinzip fast kleine Lokal bei etwas mehr Publikumsandrang so völlig entgleiten kann. Manche Tische sah ich eine halbe Stunde vor leeren Tellern sitzen, andere warteten zwanzig Minuten bei zugeklappter Speisekarte und wieder andere wollten für jeden sichtbar bezahlen und konnten nicht, weil niemand ihr Geld wollte.

Es ist wirklich schade und irgendwie sogar tragisch, wenn dieses außergewöhnlich gute Essen in diesem konzeptionell so originellen Rahmen so derart chaotisch unter das Volk gebracht wird, welches hier offenbar trotz der augenscheinlichen personellen Defizite immer noch gerne einkehrt, da der Laden so gut läuft, dass Reservieren angesagt ist.

Aber: Gutes Essen können auch andere und sind dabei vielleicht sogar aufmerksamer. Ich rate davon ab, so weiterzumachen.