Flughafen Tegel

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Tegel, Flughafen

Bald macht er zu, der völlig überforderte Flughafen Tegel. Endlich. Wer einmal am Flughafen Istanbul ein- oder ausgecheckt hat, der schämt sich vor unseren türkischen Freunden in Grund und Boden für diesen todtraurigen Provinzflughafen und vor allem dafür, dass es die immer gerne auf dicke Hose machende großmäulige Groß- und Hauptstadt Berlin, selbsternannter Nabel der Republik, unbestrittenes Zentrum aller wichtigen Großkotzer und Besserwisser, gefühlter Trendsetter und imaginäre Avantgarde, diese in einer Liga mit London und Paris spielen wollende Ansammlung von Dörfern, auch noch zwanzig Jahre nach der Wiedervereinigung diesen winzigen Flugplatz als ihren Hauptstadtflughafen bezeichnet. Das ist in etwa so repräsentativ als würde man einem Geschäftspartner eine Visitenkarte in die Hand drücken, mit deren Ecke man sich vorher die Mettreste aus den ungeputzten Zähnen gepult hat.

Lächerlich ist nicht das Gebäude und seine Funktion an sich, nein, während der Teilung ging es nicht anders und mehr war auch nicht notwendig in dieser zerrissenen Front- und Inselstadt, besetzt, geteilt, von fleißigen Bundesbürgern alimentiert und mit seiner fatalistischen Einwohnerschaft sich selbst überlassen. Nein, lächerlich ist nur, dass diese geschmacklose Altherrentorte von Flughafen immer noch offen ist und man 22 Jahre gebraucht hat, ein hoffentlich vernünftiges und repräsentatives Aushängeschild in den märkischen Sand bei Schönefeld zu setzen.

Dieser Flughafen platzt seit Jahren aus allen Nähten, so dass man gezwungen war, dem hässlichen 60er-Jahre-Gebäude ein paar containergleiche Wellblech-Zweckbauten mit dem Charme eines Abschiebeknastes zur Seite zu stellen, die man großmäulig Terminal C nennt und die man den Reisenden nicht einmal in Turkmenistan oder Phnom Penh zumuten würde.

Die in dem alten 60er-Jahre-Gebäude residierenden Geschäfte machen den Eindruck, als seien sie bereits seit Eröffnung mit dem immergleichen Sortiment dort ansässig, furchtbar altbacken kommt das alles daher, wahrscheinlich wabert um den Tresen herum immer noch der Geist einer alten Nazi-Frontschachtel mit dicker Perlenkette, Pelzmantel und Betonfrisur herum und wettert gegen den Kommunismus, man verkauft ganz peinliche Souvenirs, die schon in den 80ern keiner mehr haben wollte, überteuerte Getränke, nichtschmeckendes Essen und hält sich wahrscheinlich für furchtbar innovativ, weil man den Touristen auch hier besprühte Betonbrocken einer der vielen x-beliebigen Baustellen dieser Stadt als Mauerreste andreht.

Es ist kein Platz hier für all die Reisenden, die Eingangshalle ist kleiner als der Bahnsteig eines S-Bahnhofs, es herrscht Gedränge, Gerempel, Gefluche in allen Sprachen der Welt und zwischendurch hört man einen arabischen Geschäftsmann lachen, der nicht glauben kann, dass dies der Flughafen der deutschen Hauptstadt sein soll.

Selbst in Taschkent, Usbekistan, läuft die Gepäckausgabe schneller als hier. Gerade im Air Berlin-Terminal teilen sich mehrere Flüge ein Gepäckband, was bei einer einzigen Verspätung bürgerkriegsartige Tumulte nach sich zieht, wenn Fluggäste mehrerer Flüge sich mit Ellenbogen um das Gepäck kloppen.

Der Stümperhaftigkeit kein Ende: Zu den Flugzeugen kommt man meistens nur mit aus dem ÖPNV ausgemusterten uralten Bussen, in denen wie bei der BVG viel zu wenige Haltegriffe angebracht sind, alles wirkt hier altbacken, langsam, umständlich und verstaubt als stünde die Mauer noch. Passend zu all dem Dilettantismus ist nie ernsthaft versucht worden, den Flughafen an die Schiene anzuschließen, sondern es zuckelt eine Buslinie namens TXL zum Flughafen, zu deren unterirdischer Qualität und Güte schon alles gesagt wurde, was zu sagen ist.

Nur mit der Sicherheit, da meinen sie es ganz ernst, die Verantwortlichen. Liebe Terroristen, hier ein Sicherheitshinweis: Es ist nicht möglich, etwas Explodierendes zwischen Penis und Hoden zu verstecken, es wird auf jeden Fall ertastet.

Ich finde, dieses ärmliche Gebäude in seiner ganzen kläglichen Tristheit und Enge muss auch nach der längst fälligen Schließung 2012 unbedingt erhalten bleiben und zwar als Mahnmal für die sprichwörtliche Berliner Inkompetenz in Sachen Architektur, Serviceorientierung und Schnelligkeit, die hier vom Winterdienst über S-Bahn bis zum Bezirksamt Pankow so umfassend und allgegenwärtig verbreitet ist, dass man ihrer einfach mit einem Betonklotz gedenken muss.