Insel Snack

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Insel Snack, Imbiss, Prenzlauer Berg

Der Betreiber des Insel Snacks auf der Verkehrsinsel, an der sich Schönhauser Allee und Bornholmer Straße begegnen und hier einst eine unsichtbare Grenze zwischen cool – Prenzlauer Berg – und uncool – Pankow – markierten (was sich heutzutage allerdings immer mehr umkehrt), ist ein cooler Hund.

Als dieser Knotenpunkt am diesjährigen 1. Mai von Gegendemonstranten besetzt war, die letztlich einen Zug des kümmerlichen braunen NPD-Häufleins durch Prenzlauer Berg verhindern konnten, als die ersten Barrikaden brannten und schon Wasserwerfer und Räumpanzer aufführen, hat er locker flockig seine Currywürste nebst Getränken an die von Polizei umringten Demonstranten weiterverkauft und dabei wahrscheinlich das Geschäft seines Lebens gemacht.

Grande Cochones, Alter. 

Der Platz, den sich der Betreiber für seine Bude ausgesucht hat, ist … krass, einfach nur krass. Ein Meter neben der Bierbank, auf der man seine Currywurst verspeisen kann, fahren im Minutentakt lärmende Bimmelbahnen vorbei, der Autoverkehr rast auf je zwei Spuren aus und in vier Himmelsrichtungen und oben rattert zusätzlich noch die U 2 auf ihrem Viadukt. Mehr Lärm geht eigentlich nicht, es fehlt eigentlich nur noch ein Hubschrauberlandeplatz – hier versteht man nicht einmal mehr die von Pankower Seite herüberpöbelnden Alkoholiker oder die von Prenzlauer Berger Seite herübergackernden Touristinnen.

Etwa nach drei Minuten fängt ein durchschnittliches Ohr an diesem Ort an zu bluten, nach etwa sieben Minuten wächst eine schorfige allerdings nicht essbare Frikadelle in der Ohrmuschel, die – wenn man lange genug bleibt – fussballgroße bauchflaschenartige Ausmaße annehmen kann.

Okay, das ist natürlich wieder ein klein wenig überzeichnet, hier sind also die Fakten: Die angebotenen kulinarischen Genüsse des Insel Snacks sind allenfalls Durchschnitt. Die Currywurst wird als scharf angepriesen, was allerdings im Ergebnis für alle Sanftmütigen ein Euphemismus, für alle anderen eine Lüge genannt werden muss. Sie ist nicht scharf.

Die Konsistenz ist anständig, der Geschmack in Ordnung, die Würste werden frisch gebraten, so dass gelegentliche Wartezeiten einzukalkulieren sind. Das ist ein Pluspunkt: Es werden keine ollen faltigen Dinger verkauft, die in ihrer sich schon ablösenden Haut schon seit Stunden auf dem Grill vor sich hin verwesen und in der Optik eher dem Glied einer seit Tagen in der Wohnung liegenden Leiche ähneln als einer Wurst. Nein, mit dieser leider viel zu verbreiteten Unsitte versündigt sich der Insel Snack nicht. Die Wurst ist frisch, aber weit weg von einer Premiumwurst wie sie Curry Baude im Gesundbrunnen anbietet.

Die Pommes sind anständig, aber natürlich nichts, was man an dieser Stelle besonders positiv hervorheben kann.

So bleibt: Lärmender Durchschnitt an der Ecke Schönhauser/Bornholmer.