Warschauer Brücke

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Warschauer Brücke, Bauwerk, Friedrichshain 

Die Warschauer Brücke ist die außergewöhnlichste Brücke dieser Stadt. Nicht ihrer Architektur wegen – die ist nur profan.

Es sind die Menschen.

Manchmal möchte ich mir einfach einen Stuhl nehmen, mich setzen und den Menschen dabei zusehen, wie sie die Brücke überqueren. Sie sind alles, sie sind cool, gewöhnlich, ausgeflippt, kaputt, gewollt kaputt, mit Kopftuch, mit Hut, mit Sombrero, Aktentasche in der Hand, Kamera in der Hand, Gitarre in der Hand, einmal auch ein Cello, auf dem Weg zur Arbeit, auf dem Weg vom Club, auf dem Weg nach … wissen sie manchmal selber nicht, manchmal auch nicht wo sie gerade herkommen, lachend, lallend, verhärmt, offen, herzlich, verkniffen auch, nie feindselig, mit offenen Augen, mit Sonnenbrille – auch nachts, mit Bier, mit Wodka, mit Stulle, von Friedrichshain nach Kreuzberg, von Kreuzberg wieder zurück und noch mal von vorne, links rechts mittig laufend, egal, das haut schon hin irgendwie, hier Großstadt, Großstadtbrücke, Kaleidoskop der Großstadt, ob nachts, ob tags, alle sind sie hier, die Oma, der Clubber, die Schülerin, der Beamte, die Niedriglöhnerin, der Berufsdemonstrant, die Punkerin, der Tourist, Zettelverteiler, Zeitungsverteiler, Gute-Laune-Verteiler, Großstadtbrücke, bist du hier hast du sie alle gesehen, die Berliner. Berliner, Berlin, da wo sie alle wie Elementarteilchen leben, für sich, für wenige, für andere, für wen auch immer und sich nur manchmal zufällig zweimal in einem Leben begegnen – wahrscheinlich auf der coolsten Brücke dieser Stadt.

Es gibt einen, der wohl auch nicht genug von dieser Brücke bekommen kann und sie immer wieder zum Gegenstand seines hervorragenden Fotoblogs macht: http://bgui.de