Maître Vite

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Maître Vite, Bäcker, Prenzlauer Berg

Es zieht ein wenig Flair ein in das traditionell trostlose Untergeschoß der Schönhauser Allee Arcaden. Im Dunstfeld von fragwürdigen Anbietern wie Tchibo, McPaper, Weltbild und einem Sanitätshaus hat eine Filiale von Maître Vite eröffnet.

Maître Vite stellt sich der allgemeinen Gesundheitshysterie und dem grassierenden Biowahn entgegen und bietet französisch geprägte Backwaren der vorwiegend weniger gesunden Art an. Besonders hervorzuheben sind hier die Croissants in verschiedenen Ausprägungen wie Marzipan, Apfel und Schoko, die eines gemeinsam haben: Sie triefen vor Butter und sollten deswegen nur streng rationiert verzehrt werden, wenn der Arzt bei der Messung der Leberwerte nicht sofort den Strahlenschutz anrufen soll.

Diese Croissants sind aufgrund ihres vorzüglichen Geschmacks und der vorbildlich fluffig-buttrigen Konsistenz gerne mal ausverkauft, wofür ich vollstes Verständnis aufbringe. Gleichen Erfolg scheint die großzügige Sitzecke zu haben, welche – früher unter dem glücklosen Vorpächter chronisch verwaist – nun sehr oft sehr gut besetzt ist. Ein gutes Zeichen, dass man hier offenbar auch den Kaffee trinken kann.

Neben den zweifellos herausragend guten Croissants ist neben dem Honig-Senf- auch das Speckbrot zu empfehlen, welches man des Genusses wegen am besten frisch und ohne Belag am Stück ganz aufisst. Diese Brote passen im Ganzen auch in kleinere Mägen hinein, denn danach ist seltsamerweise immer noch Platz für Belag in Form von Wurst oder Käse, den man einfach pur hinterherwerfen kann. Oder man isst eine dünne Scheibe Biobrot.

Nein, so richtig satt macht das Brot vom Maître selber nicht, aber muss es ja auch nicht. Wenn es schmeckt.

Eher weniger gelungen ist das Zwiebelbrot, welches im Vergleich zu anderen Bäckern deutlich abfällt. Ich habe die Zwiebeln vermisst, der Gesamteindruck ist aufgrund der seltsamen Zwiebelabstinenz eher ein fader. Das können andere besser.

Ja, ohne Zweifel ist dieser Ort eine Bereicherung der Schönhauser Allee Arcaden und eine sinnvolle Ergänzung zu den hier ansässigen Platzhirschen der Biobäcker-Sparte, wobei Prenzlauer Berg damit neben McDonalds, dem Ketwurststand und der Spielothek aufgrund der eindeutigen Ausrichtung des Angebots auf kulinarische Sünden und Freuden der Welt ein weiterer Ort zur Verfügung steht, der nicht von den allgegenwärtigen Biomüttern okkupiert werden kann.

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