Tropical Islands

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Tropical Islands, Spaßbad, Brandenburg

Meine Güte, wer kommt denn auf die Idee, mitten in der tiefsten brandenburgischen Provinzeinöde ein Tropenparadies zu errichten? Man könnte fast vermuten, dass das nur einer sein kann, der es auf die ganzen ostzonalen Subventionen abgesehen hat und nach deren Auslaufen irgendwann schnell wieder das Weite sucht oder vielleicht auch irgendeine Heuschrecke, die für ein paar Jahre Schwarzgelder irgendwo waschen muss, wo nie jemand drauf kommt. Oder ganz einfach jemand mit einer ganzen Menge Mut.

Anyway, auf jeden Fall gibt es seit ein paar Jahren dieses Ding da mitten im märkischen Sand in einem Niemandsland, welches vorher wahrscheinlich schon als Bombenabwurfplatz der NVA oder als Atommüll-Endlager für den Warschauer Pakt herhalten musste.

Zunutze hat man sich die markante Altlast einer Pleitefirma in Form einer Zeppelinhalle gemacht und versucht nun, diese gewinnbringend zu verwerten. Und es sieht so aus, dass das gelingt, denn der Publikumsandrang ist enorm, wobei Osteuropa mittlerweile markant mit aufsteigender Tendenz repräsentiert ist.

Für den in der Tat stolzen Preis erhält man den Zutritt zu 2 gepflegten Schwimmbecken, ein sehr großes recht schmuckloses und eine kleinere etwas wärmere Lagune; Aufpreis kosten die hervorragend großflächige und sehr ansprechende Saunalandschaft, die drei lustigen Erlebnisrutschen und die Übernachtung in einem der Zelte.

Letztere stellte sich als entspanntes Camping heraus und schreit nach Wiederholung, jedoch sollte man sich Ohropax einpacken, sofern man sich an nachtbadenden und – kreischenden Besuchern, gerne auch mit Brüllzwergen, und einem durchgehenden Grundrauschen von Seiten der Rutschen stören sollte.

Als sehr angenehm empfinde ich die tropische Pflanzenlandschaft auf einer Anhöhe in der Mitte, die zum Verweilen einlädt und in der sich die oben genannten Brüllzwerge eher selten einfinden.

Die Gastronomie ist hingegen nichts besonderes, aber auch kein Totalausfall. Das All-you-can-eat-Barbecue ist dabei am ehesten zu empfehlen, die Standard-Küche mit ihrem langweiligen Schnitzel und Pommes-Gedöns eher nicht. Vom Speisenangebot an der Bar zur Südsee würde ich eher abraten, nicht weil es nicht schmeckt – das tut es, jedoch sind die Portionen relativ klein für den stolzen Preis.

Nicht zuletzt bleibt festzuhalten, dass das Personal stets sehr freundlich daherkommt und damit die traditionell sehr niedrig gehaltenen Erwartungen an die brandenburger Provinz bei weitem übertrifft. Hier hat man bei der Personalauswahl ein glückliches Händchen bewiesen.

Ich wünsche dieser chronisch vernachlässigten Region und ihrem Tropical Islands einen nachhaltigen wirtschaftlichen Multiplikator-Effekt, sie kann es gebrauchen. Ich mach mit, in dem ich öfter mal raus aufs Land zu diesem ganz gruseligen – an diverse Flüchtlingsdokus auf 3sat erinnernden – Bahnhof nach Brandt/Brandenburg fahre, von wo mich dann ein Shuttle in die Tropen zum Chillen fährt.