Trattoria Milano

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Trattoria Milano, italienisch, Westend

Manchmal tut mir ein Lokal einfach leid. Es gibt sich alle erdenkliche Mühe, bietet italienische Küche der besseren Art nebst einer Pizza, die diesen Namen wirklich verdient, sein Service beherrscht die Etikette bis zur Perfektion auch gegenüber unrasierten Gästen in schwarzen Kapuzenpullis, was leicht bizarr wirkt aber doch wieder konsequent ist und offeriert Geschenke in Form ausgesprochen gut komponierten Öls auf frischem Brot vor der Mahlzeit sowie großzügig eingeschenkter Spirituosen danach.

Besser geht kaum, zumindest nicht in dem Segment, das man hier so professionell zu besetzen beherrscht. Vielleicht könnte man beim Grappa hinsichtlich der Raffinesse eine Schippe drauflegen, er putzt den Rachen etwas zu kratzbürstig, aber da er aufs Haus geht ist er nur dann negativ ins Feld zu führen, wenn man es böse meint und das tue ich nicht.

Es ist angenehm hier Gast zu sein.

Leider ist das Lokal oft leer, stets mäßig besucht, wie man hört. Das ist schade.

Es liegt wohl wie so oft an der unglücklichen Wahl des Ortes. In dem Räumen eines ehemaligen Aldi-Discounters hat man sich niedergelassen, weit weg von Laufwegen zumindest derer, die flanieren und spontan mal essen gehen. Und wer reserviert geht lieber gleich Richtung Kantstraße wo man danach irgendwo versacken kann, wo es lustig ist.

Und das wird es sein, das Dilemma, denn lustig ist es hier im Westend eher nicht, hip erst recht nicht, eher gediegen großbürgerlich und hierfür ist die Trattoria wiederum nicht fein genug – ein nur schwer aufzulösendes Dilemma, das sich an einem normalen Mittwochabend in zu vielen leeren Tischen manifestiert.

Es ist wirklich angenehm hier Gast zu sein. Um ein solches Lokal wäre es schade.