Balzac

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Balzac, Kaffee, Prenzlauer Berg

Hier in Prenzlauer Berg werden gelegentlich die freien Marktmechanismen außer Kraft gesetzt. Zum Beispiel im Balzac, hier gelten andere Regeln.
Normalerweise wäre angesichts der großen Konkurrenz im Latte Macchiato-Bezirk ein Laden wie dieser längst weg vom Fenster.

Der Balzac verkauft an sein hippes oder sich für hip haltendes Publikum irrwitzig überteuerten Kaffee mit unaussprechlichen Versatzstücknamen in drei verschiedenen Größen, die völlig überflüssigerweise nicht in deutscher Sprache (klein, mittel, groß), sondern in englischer (small, medium, tall – oder so, kein Plan, ich vergesse diese englischen Allerweltsersatzbegriffe immer so schnell) feilgeboten werden.

Der Kaffee ist in der Regel zugekleistert mit klebrigem Sirup aus den verschiedenen Geschmackslaboren dieser Republik, der Kaffee pur schmeckt dagegen nicht besser/schlechter als der aus meiner Senseo. Der kleinste Kaffee beginnt, glaube ich, bei 2,80 €. Für die DM-Fetischisten: Das sind rund 5,60 DM. Für einen kleinen Kaffee. Und der Laden ist voll – so proppevoll dass man eigentlich reservieren sollte. Für den Geschmack von einem Senseo-Pad.

Schwer zu begreifen.

Ich erkläre mir das so: Casting. Wie auch im völlig überbewerteten „An einem Sonntag im August“ in der Castingallee, sorry: Kastanienallee geht es auch hier allein ums Sehen und Gesehenwerden. Der Standort am U-Bahnhof Schönhauser Allee ist dafür ideal, vor allem wenn im Sommer das nachmittägliche Schaulaufen auf dem Boulevard stattfindet.

Das Beste an der auf sehr komische Art eitlen Szenerie finde ich immer noch den bärtigen Penner, der sich im Sommer jeden Tag ganz rotzfrech auf seine Parkbank zwischen all die draussen sitzenden Hipster setzt und seine Goldkrone schlürft. Manchmal wenn er gut drauf ist, zieht er sich die Hose runter und zeigt seinen nackten Arsch während er die Welt anklagt.

Sehr schön, über diesen letzten Punkrocker vom Prenzlauer Berg kann ich mich ehrlich freuen.

Nun, wie schon gesagt ist der Hype aus meiner Sicht völlig irrational, aber ich bin auch kein Grafikdesigner oder Kunststudent, mache weder „was mit Medien“ noch habe ich ein Projekt statt Arbeit.

Aber gut, dass es das Balzac gibt, dann weiß man immerhin wo die alle sind, wenn man sie mal braucht.

Wenn man sie denn braucht ….

Ein Kommentar zu „Balzac

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